finale mit tiepolo

Vor hundert Jahren standen zwei Männer hier im Würzburger Treppenhaus und staunten: Serge Diaghilew und Vaslav Nijinsky

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Auf dieser Treppe standen die beiden Männer, Seite an Seite vielleicht, den Kopf in den Nacken gelegt, und schauten hinauf in den von Künstlerhand bestirnten Himmel. Nicht irgendwer hat diesen allegorischen Kosmos bestückt, sondern ein Titan des Spätbarock, dessen Handschrift ihnen zweifellos vertraut war. Sie müssen Giovanni Battista Tiepolos Gemälden schon in Venedig begegnet sein, wo sie – wie Thomas Mann, Franz Werfel, Karl Kraus – regelmäßig zur Sommerfrische im Grand Hôtel des Bains am Lido weilten.

Von dort ist es nur eine kurze Schiffspassage über die Lagune zur Accademia, zum Palazzo Pisani, zu den Kirchen rings um San Marco, wo sich Tiepolos Überwältigungsmalerei studieren lässt: sein die Elemente und Kreaturen in dämonisches Kreiseln, imposante Schwingung versetzender Pinselstrich, der einer Sinnes-Invasion gleicht. Fernab der Serenissima, in der fürstbischöflichen Residenz zu Würzburg, steigen Serge Diaghilew und Vaslav Nijinsky also Anfang August 1913 die Marmorstufen des Treppenhauses hinauf, und mit jedem Schritt enthüllt sich ihnen mehr vom riesenhaften Fresko, das wie ein Baldachin über den Wänden schwebt: Insignien der Kontinente säumen den Rand und dirigieren den ...

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Tanz Dezember 2013
Rubrik: bewegung, Seite 4
von Dorion Weickmann

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