Feuertänze für Nichtraucher
Sie sind drei Tage lang gelaufen. Vierzig Männer und Frauen. Mit dem Bus gefahren. Auf einem Laster durch den Dschungel geschaukelt. Haben mit Booten Flüsse überwunden. Ein kleines Flugzeug flog je drei Personen samt Gepäck über die Berge, Fuhre für Fuhre, um sie immer weiter nach Süden zu bringen. Es war die erste große Reise der Xavantes-Indios aus dem Mato Grosso in Zentralbrasilien, gleichweit von allen Meeren entfernt. Ihr Ziel: São Paulo, um Gilberto Gil, dem brasilianischen Präsidenten zu zeigen, dass auch Indianer Bürger sind. Mit eigener Lebensweise.
Ohne Kenntnis der Landessprache. Ohne Eintrag ins Melderegister. Sie haben mächtig Eindruck gemacht. Sie haben ein gewaltiges Feuerritual getanzt. Gil war begeistert. Jetzt haben sie einen brasilianischen Pass, zum ersten Mal in ihrem Leben. Nicht, um die Arbeit der Polizei zu erleichtern. Sondern, um abermals ihre Sachen zu packen, wieder die lange Strecke zu überwinden, erneut nach São Paulo zu reisen. Um dann, mit einem italienischen Visum, am 8. und 9. Juni ihr Feuerritual auf der Biennale di Venezia zu tanzen. Aus dem tiefsten Busch in eine der schönsten Städte Europas. Mit Esspaketen für eine Woche. Denn Pizza und ...
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