Erkenntnisküken

Ioana Mona Popovici: «Remote Edens» in Prag

Tanz - Logo

Von paradiesischen Zuständen keine Spur. Nacht ist es auf der Bühne, der einzige Lichtstrahl lässt die Stele mitten im Prager Ponec allenfalls ahnen. Petr Smetácek hat sie geschaffen: Reminiszenz an den Baum der Erkenntnis, der dem ersten Menschenpaar zum Verhängnis wurde. Erstarrt stehen die beiden anfangs da, während aus dem Off die Arie «O let me weep» erklingt. Nur ein Dutzend Küken lässt sich vom Schicksal, das so schwer auf der Szene lastet, nicht im Mindesten beeindrucken. Auch nicht von seiner Gefangenschaft. Fröhlich fiept es den Abend lang im Vogelbauer.


Nicht alles in diesem «Kingdom-of-the-falling», das Ioana Mona Popovici in ihrem neuen Stück «Remote Edens» bespiegelt, ist auf Sand gebaut: der Käfig mit den Küchlein hängt später, kaum erkennbar im Bühnenhintergrund, am Haken. Nur die beiden Protagonisten müssen auf ungesichertem Terrain agieren. Wäre da nicht der andere, gäbe es nicht den geringsten Halt. Kaum lässt der eine vom anderen, verliert er den Boden unter seinen Füßen. Wer von beiden kann auf eigenen Beinen stehen? Nicht Anna Caunerová, die sich in ihrem bäuerlichen Kleid scheinbar so erdverbunden gibt. Auch nicht Daniel Racek, der Hagere im weißen Hemd. Wagt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Mai 2005
Rubrik: On Stage, Seite 52
von Hartmut Regitz

Vergriffen
Weitere Beiträge
DansArt-Zentrum

Zehn Jahre nach Gründung des DansArt-Zentrums in Bielefeld, seit Sommer 2002 auch überregional bekannt als Tanzfestival Bielefeld, steht die kleine Workshop-Keimzelle nun vor dem Sprung in ein eigenes Tanzzentrum mit vier Studios und einer Tanzbühne für 199 Zuschauer. Auf 1400 Quadratmetern soll ab 16. September eine Mischung aus Tanzkursen, Workshops, Aufführungen...

Alte Meister

Mit 72 hat Hans van Manen zurückgefunden zum Niederländischen Nationalballett, dem er schon von 1973 bis 1987 angehörte. Im jüngsten Programm der Kompanie, das ohne Anmaßung «Master Moves» überschrieben ist, nimmt van Manens neue Choreografie – zwischen Balanchines «Sinfonie In C» und Forsythes «The Second Detail»– die zentrale Stelle ein. «Frank Bridge Variations»...

To hell with opression

This is a full-length ballet on the life of ­Pyotr Tchaikovsky set to the composer’s own music. What makes a biographical work interesting is not just “the truth” but an interesting take on the person concerned. “RE:Tjajkovskij” provides this by contradicting the popular myth and portraying the composer as a successful dissident.
The first of the ballet’s two acts...