Erkenntnisküken

Ioana Mona Popovici: «Remote Edens» in Prag

Tanz - Logo

Von paradiesischen Zuständen keine Spur. Nacht ist es auf der Bühne, der einzige Lichtstrahl lässt die Stele mitten im Prager Ponec allenfalls ahnen. Petr Smetácek hat sie geschaffen: Reminiszenz an den Baum der Erkenntnis, der dem ersten Menschenpaar zum Verhängnis wurde. Erstarrt stehen die beiden anfangs da, während aus dem Off die Arie «O let me weep» erklingt. Nur ein Dutzend Küken lässt sich vom Schicksal, das so schwer auf der Szene lastet, nicht im Mindesten beeindrucken. Auch nicht von seiner Gefangenschaft. Fröhlich fiept es den Abend lang im Vogelbauer.


Nicht alles in diesem «Kingdom-of-the-falling», das Ioana Mona Popovici in ihrem neuen Stück «Remote Edens» bespiegelt, ist auf Sand gebaut: der Käfig mit den Küchlein hängt später, kaum erkennbar im Bühnenhintergrund, am Haken. Nur die beiden Protagonisten müssen auf ungesichertem Terrain agieren. Wäre da nicht der andere, gäbe es nicht den geringsten Halt. Kaum lässt der eine vom anderen, verliert er den Boden unter seinen Füßen. Wer von beiden kann auf eigenen Beinen stehen? Nicht Anna Caunerová, die sich in ihrem bäuerlichen Kleid scheinbar so erdverbunden gibt. Auch nicht Daniel Racek, der Hagere im weißen Hemd. Wagt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Mai 2005
Rubrik: On Stage, Seite 52
von Hartmut Regitz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Der Sommer kommt

Japan hat eine Rezession. Gäste werden in einem politischen Hilfsnetzwerk auf die Insel getragen, man nennt so was ein deutsch-japanisches Kulturjahr. Kanada trauert um sein FIND!-Festival im zweiten Jahr. Dieses große Forum, damit Kanadier nicht nur nach Übersee, sondern Überseeische auch mal nach Kanada kommen, litt an enormem Zuschauerschwund. Schuld seien die...

Transition

Papst Johannes Paul II. ist nicht der einzige, der sein Siechtum publik gemacht hat. Auch ­Keriac (Foto © Keriac), Tänzerin, Choreografin, Gründerin und Leiterin des DanceVisionInstitute in San Francisco und Stuttgart, ließ ihre «Gemeinde» teilhaben an ihrer Krebserkrankung. Eine Website informierte über «Keriacs Gesundheit», die doch alles andere als gesund war,...

Stichprobe: Matthew Bournes «Play Without Words»

Matthew Bourne’s “Play Without Words,” a wordless translation into dance-theater of the 1963 Joseph Losey-Harold Pinter movie, “The Servant,” is funny, charming, suave, and formally quite engaging. I write this as someone who was no fan of Bourne’s “Swan Lake,” that international hit, with its hateful or nin­nyish portraits of women, has balefully affected...