Erkenntnisküken
Von paradiesischen Zuständen keine Spur. Nacht ist es auf der Bühne, der einzige Lichtstrahl lässt die Stele mitten im Prager Ponec allenfalls ahnen. Petr Smetácek hat sie geschaffen: Reminiszenz an den Baum der Erkenntnis, der dem ersten Menschenpaar zum Verhängnis wurde. Erstarrt stehen die beiden anfangs da, während aus dem Off die Arie «O let me weep» erklingt. Nur ein Dutzend Küken lässt sich vom Schicksal, das so schwer auf der Szene lastet, nicht im Mindesten beeindrucken. Auch nicht von seiner Gefangenschaft. Fröhlich fiept es den Abend lang im Vogelbauer.
Nicht alles in diesem «Kingdom-of-the-falling», das Ioana Mona Popovici in ihrem neuen Stück «Remote Edens» bespiegelt, ist auf Sand gebaut: der Käfig mit den Küchlein hängt später, kaum erkennbar im Bühnenhintergrund, am Haken. Nur die beiden Protagonisten müssen auf ungesichertem Terrain agieren. Wäre da nicht der andere, gäbe es nicht den geringsten Halt. Kaum lässt der eine vom anderen, verliert er den Boden unter seinen Füßen. Wer von beiden kann auf eigenen Beinen stehen? Nicht Anna Caunerová, die sich in ihrem bäuerlichen Kleid scheinbar so erdverbunden gibt. Auch nicht Daniel Racek, der Hagere im weißen Hemd. Wagt ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Eine Frau hat viele Gesichter, je öffentlicher die Frau, desto mehr. Vor der Kamera bedient sie das kollektive Bildergedächtnis: die lächelnde Politikerin, das laszive Mannequin, die Rocksängerin, die die Zähne bleckt. Man kennt das. Aber was ist vorher, was nachher? Wie wahr, wie manipulierbar sind die Bilder? Die Kölnerin Stephanie Thiersch, bekannt durch ihre...
Herr B. sagt die Feier zum 60. Geburtstag seiner Mutter ab, weil er nach Paris fliegen muss, um zum zwölften Mal «Apartment» von Mats Ek zu sehen. Entsetzen in der Verwandtschaft, und Unverständnis. Die Erklärung, dass Nicolas Le Riche tanzt, macht die Geschichte auch nicht besser.
«Wie konnte es so weit kommen? Wann hat die Sucht begonnen?», würde der Therapeut...
Ein junger Choreograf sucht seinen Weg. Was wäre banaler? Und nichts wäre gefährlicher, als die Suche zu früh zu beenden. Wohin gehört Abou Lagraa? In den Sessel eines CCN-Direktors? Wer seine neue Kreation «Où Transe» sieht, mag sich freuen, dass Lagraas Bewerbung um die Leitung des CCN in Roubaix nicht von Erfolg gekrönt war. Zum einen, weil man sich wünscht, ihn...
