es lebe die freiheit

Alain Franco ist der Mann fürs Kluge. Musik ist für den erfahrenen Pianisten ein Buch, in dem er liest wie andere in einer gut erzählten Geschichte. Zuletzt wurde er für Meg Stuarts Erfolgsproduktion «Built to Last» aktiv. Ein Gespräch mit Arnd Wesemann.

Alain Franco, mit Meg Stuarts Choreografie «Built to Last» entstand eine ziemlich opulente Reflexion über die Musikgeschichte, voll wuchtiger Sinfonien und gespickt mit Zitaten aus dem Œuvre von Ludwig van Beethoven, Joseph Haydn, sogar von Ihnen selbst. Ich sage in dem Stück: Ein Puls ist ein Phänomen.


Was heißt das genau? Ein Puls wird erst zu einem Puls, wenn er wiederholt wird.

Aber wie wird er wiederholt? Wie ein Herzschlag? Olivier Messiaen sagte mal, dass Rhythmus für ihn nichts mit Regelmäßigkeit zu tun hat, sondern mit Unregelmäßigkeit. Rhythmus bezeichnet einen Unterschied und keine Wiederholung. Rhythmus ist eine Zeitartikulation, keine Zeitwiederholung.

Und der Puls? Wenn man sagt, man sei «am Puls der Zeit», dann meint man damit doch auch eher etwas Typisches, Einmaliges. Genau darum geht es in «Built to Last»: dass Geschichte selbst sich nicht wiederholen kann. Zwar gibt es bestimmte Wiederholungen in der Geschichte, aber nur, weil auch manche Grundlagen der Geschichte gleich bleiben. Ich nenne sie die Urkräfte, die Urängste, die immer weitergegeben werden wie freundliche Viren, die nicht verschwinden, und die einen manchmal sehr originell überraschen können, in ...

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Tanz August/September 2013
Rubrik: musik, Seite 89
von Arnd Wesemann

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