Erfurt, Gera: Silvana Schröder «Giselle»

Nein, das Ballett stammt nicht aus dem Nachlass von Johannes Brahms. Aber das Liebeslied «Guten Abend, gut’ Nacht» hat er komponiert. Silvana Schröder stellt es jeweils an den Anfang ihrer beiden «Giselle»-Akte und bedeutet dem Publikum noch vor Beginn auf signalhafte Art, dass es auf eine traditionelle Aufführung des Ballet fantastique nicht hoffen darf. Tatsächlich ist alles anders im Theater Erfurt, wo die Koproduktion mit dem Staatsballett Thüringen als Uraufführung vorgestellt wurde. Nur die Musik Adolphe Adams ist die gleiche – von den Anfangstakten mal abgesehen.

 

Die Brahms-Klänge ertönen aus einer Spieluhr, die Giselle gehört. Nicht mehr Mädchen, noch nicht Frau, fühlt sie sich in ihrem Puppenheim nicht mehr aufgehoben. Das Kinderzimmer hat sich ins Riesenhafte vergrößert. Schier ein Ding der Unmöglichkeit, die Tür zu öffnen. Doch wenn es ihr gelingt, versetzt sie das Dahinter in Angst und Schrecken: Mutter Myrtha, längst dahingeschieden und doch gegenwärtig, zudem noch umringt von einer Schattenschar, die ihre Scheinexistenz ins Unermessliche steigert. Kein Wunder, wenn sich die Verängstigte nur zu gern in die Arme Albrechts fallen lässt. Natürlich in der etwas naiven ...

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Tanz Januar 2019
Rubrik: Kritik, Seite 38
von Hartmut Regitz