Merce Cunningham in seinem Studio; Foto: Mark Seliger

Erfahrungsräume

In Berlin findet die «6. Biennale Tanzausbildung» statt – ein guter Anlass, um die Unterrichtsregeln zu begutachten, die Merce Cunningham sich und seinen Schülern verordnete: Was taugen sie noch?

Tanz - Logo

RULE ONE:
Find a place you trust, and then try trusting it for awhile.

RULE TWO:
General duties of a student — pull everything out of your teacher; pull everything out of your fellow students.

RULE THREE:
General duties of a teacher — pull everything out of your students.

RULE FOUR:
Consider everything an experiment.

RULE FIVE:
Be self-disciplined — this means finding someone wise or smart and choosing to follow them. To be disciplined is to follow in a good way. To be self-disciplined is to follow in a better way.

RULE SIX:
Nothing is a mistake. There’s no win and no fail, there’s only make.

RULE SEVEN:
The only rule is work. If you work it will lead to something. It’s the people who do all of the work all of the time who eventually catch on to things.

RULE EIGHT:
Don’t try to create and analyze at the same time. They’re different processes.

RULE NINE:
Be happy whenever you can manage it. Enjoy yourself. It’s lighter than you think.

RULE TEN:
“We’re breaking all the rules. Even our own rules. And how do we do that? By leaving plenty of room for X quantities.” (John Cage)

HELPFUL HINTS:
Always be around. Come or go to everything. Always go to classes. Read anything you can get your ...

Alle zwei Jahre treffen sich die deutschen Tanzakademien und -hochschulen, um miteinander und voneinander zu lernen. Berlin und das Hochschulübergreifende Zentrum Tanz sind Schauplatz der 6. Ausgabe der «Biennale Tanzausbildung», die sich diesmal ins urbane Getümmel stürzt: «Dancing in the Street. Was bewegt Tanz?» lautet das Motto des Treffens, das auf die wechselseitige Verflechtung von Tanz, Gesellschaft und Politik abzielt.

Aber wie ist es eigentlich jenseits der großen Fragen um Kreativität und Neugier bestellt? Was bedeutet schöpferische Arbeit heute, und was braucht es dafür an Rüstzeug? In dem Zusammenhang lohnt vielleicht ein Blick zurück auf einen wegweisenden Choreografen, der sich dezidiert auch als Ausbilder verstand – und klare Vorstellungen davon hatte, was das bedeutet: Merce Cunningham (1919 – 2009).

In Cunninghams Studio in New York hing ein Blatt Papier mit «10 Regeln», die von John Cage inspiriert waren – Komponist, Lebensgefährte und kongenialer Kunstsozius des Choreografen. Die Blaupause dieser Regeln stammte von einer Kollegin, von der Ordensschwester, Aktivistin und Pop-Art-Künstlerin Corita Kent, die am Immaculate Heart College für Bildende Kunst in Los ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Februar 2018
Rubrik: Traditionen, Seite 60
von Franz Anton Cramer

Weitere Beiträge
Düsseldorf: «Jerada»

Auf den ersten Blick sieht es nach Klischee aus: Eine Choreografin aus dem arabischen Raum schickt die hoch trainierten Tänzerinnen und Tänzer einer zeitgenössischen Kompanie aus Norwegen in eine Drehmeditation. Die am Rand der Sahara geborene Choreografin Bouchra Ouizguen lebt mittlerweile in Marrakesch. Sie ist Autodidaktin und experimentiert in ihrer...

Newcomer, Personalien, Snippets Februar 2018

Newcomer: Nadav Zelner

Seine Premiere bei Gauthier Dance heißt «Bullshit» und ist komplett in Pink ausgestattet – was schon zeigt, wie übermütig dieser Paradiesvogel aus Israel arbeitet. Nadav Zelner tanzte ein Jahr in der Kibbutz Contemporary Dance Company, bevor er sich selbstständig machte und von Yair Vardi gefördert wurde, dem Direktor des Suzanne Dellal...

Freiburg: «Rasp your soul»

Verletze deine Seele. Schwer. Beleidige sie. Bis aufs Blut. Wie auch immer man den Titel der jüngsten Arbeit der griechischstämmigen Choreografin übersetzen will – in Kat Válasturs Worten handelt es sich um ein Solo für einen «Humanoiden mit sensibler Haut». Diesen setzt sie auf der Bühne aus wie eine gewaltig klaffende Lücke zwischen Mensch und Kunst. Ein einsamer...