Enthüllt

Constance Quéniaux

Tanz - Logo

Sie wuchs bei einer alleinerziehenden Mutter in ärmlichen Verhältnissen auf und landete im Corps de ballet der Pariser Oper. Gut eineinhalb Jahrhunderte später wäre sie keine Notiz mehr wert, hätte der Schriftsteller Claude Schopp nicht unlängst einen Brief entziffert, den Alexandre Dumas d. J. 1871 an George Sand schrieb. Darin entrüstete sich der Romancier- -über den Maler Gustave Courbet und erklärte: «Man malt auch nicht mit seinem Pinsel das höchst delikate und tiefgründige Innenleben von Mlle Queniault (sic!) von der Oper.

» Und das auch noch für einen Türken! Nämlich für Khalil Bey, Botschafter in Frankreich. Mit dem «Innenleben» ist nichts anderes gemeint als der entblößte Venushügel, den Courbet 1866 konterfeite. Unter dem Titel «L’Origine du monde», sprich: «Ursprung der Welt», ging das Werk in die Kunstgeschichte ein. Ab sofort ist es auch Teil der Tanzgeschichte – dank Constance Quéniaux, 1832 geboren, 1908 verstorben, die ihren Lebensunterhalt als Tänzerin und Mätresse bestritt und sich auf Wunsch ihres Geliebten unten ohne malen ließ. Claude Schopp hat ihre Identität enthüllt und damit eines der pikantesten Kunsträtsel gelöst. 

 

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz November 2018
Rubrik: Side Step, Seite 16
von Dorion Weickmann

Weitere Beiträge
Newcomer, Abschied, Snippets 11/18

Newcomer: Letizia Masini, Daniele di Donato

Die gebürtige Florentinerin Letizia Masini wurde 2002 an der Ballettakademie des Teatro alla Scala aufgenommen und kann daher als echtes Gewächs der Mailänder Schule angesehen werden. Dort steht die 17-Jährige derzeit kurz vor ihrem letzten Ausbildungsjahr – eine brünette junge Frau, langgliedrig und von ausgeprägtem...

Girl

Ganz am Anfang steht das Mädchen vor dem Badezimmerspiegel, die langen blonden Haare zurückgesteckt, ein wenig Furcht, ja Schrecken in den Augen. Und doch etwas wie Stolz und Freude im Gesicht. «Was machst du da?», fragt der Vater beim Hereinkommen. «Ich wollte Ohrlöcher, jetzt hab ich welche», entgegnet die Tochter. «Hast du sie wenigs-tens desinfiziert?», hakt...

Ferrara on tour: Aterballetto «Bach Project»

Die Domus Aurea war so groß, dass sie drei Hügel Roms bedeckte. Errichtet von Kaiser Nero, passten da sogar Weinberge rein und ein See, der an die Terrassen schwappte. Heute steht dort das Kolosseum. Auf der Bühne von Diego Tortellis neuem Werk, «Domus Aurea», leuchtet kein Gold, sondern ein Kubus aus Neonröhren, der die 16 Tänzer der Kompanie Aterballetto aus...