Gender-fluid

Weder Kabarett noch Travestie-Spektakel: Chase Johnsey ist der erste Mann, der als Tänzerin unter Tänzerinnen aufgetreten ist. Die Geschichte eines Pioniers

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Um die Sache wurde nicht viel Aufhebens gemacht, es gab keinerlei PR-Getöse. Und doch war es ein historischer Moment: Im Juni trat in «Dornröschen» – mit langem Rock, noch ohne Spitzenschuh – ein Mann im weiblichen Corps de ballet des English National Ballet (ENB) auf. Er fiel nicht auf, sein Auftritt wurde nicht weiter kommentiert. Chase Johnsey war seit vielen Jahren als Ballerina unterwegs – allerdings unter Männern. Er gehörte zu Les Ballets Trockadero de Monte Carlo (tanz 6/17). Mit den Trocks tanzte er die großen klassischen Solopartien.

2017 wurde er bei den «National Dance Awards» für sein Können als bester männlicher Tänzer geehrt.

Johnsey will aber als Ballerina unter Ballerinen tanzen dürfen, als Frau unter Frauen. Der 32-Jährige, der das Pronomen «er» benutzt, beschreibt sich als «gender-fluid». Ob er sich als Mann oder Frau fühlt, hängt von Tagesform und Situation ab. «Vielleicht streife ich morgens ohne Make-Up und in bequemen Sachen durch den Wald, gehe aber am Nachmittag geschminkt und mit femininen Kleidern in die Stadt», erzählt er beim Interview. 

Die von Johnsey zitierten Holzfäller- und Fräulein-Klischees unterstreichen die im Alltag meist fraglos akzeptierte ...

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Tanz November 2018
Rubrik: Ideen, Seite 56
von Wiebke Roloff Halsey

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