Entfesselt
Nach «Forêt», einem Museums-Projekt im Denon-Flügel des Pariser Louvre, ist «EXIT ABOVE after the tempest» die zweite Produktion, die Anne Teresa De Keersmaeker mit ihrer Kompanie Rosas nach dem Corona-Lockdown für die große Bühne geschaffen hat. Während «Forêt» mit einem Sturm endet, den kein Geringerer als Leonardo da Vinci heraufbeschwört, beginnt «EXIT ABOVE after the tempest» mit jenen Winden, die Prospero in Shakespeares «The Tempest» entfesselt. Kein Zufall, denn in beiden Fällen spielen lebensbedrohliche Naturkatastrophen im Hintergrund eine Rolle.
Keersmaekers Ensemble tanzt kraftvoll, mal überbordend, mal verhalten, dagegen an.
Leonardo da Vinci war ein genauer Beobachter von Naturerscheinungen. Man könne sich, argumentierte er, die Ursache eines Sturms, nämlich den Wind, nicht vorstellen, weil der Wind unsichtbar ist. In seinen Skizzen fing er dessen Auswirkungen, etwa auf das Wasser oder die Pflanzen, freilich äußerst präzise ein. In «Forêt» kommt Wind auf, wenn die Performer*innen schwere Leinwände immer wieder gegen den Boden schlagen. Dieser Wind und die aus ihm resultierende Gewalt waren es, die das Publikum immer weiter zusammenrücken ließen. Und es immer weiter ...
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Tanz August-September 2023
Rubrik: Tanz im August, Seite 11
von Pieter T‘Jonck
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