Emilie Mazon
Der Begriff home wird beschrieben als «der Ort, an dem man dauerhaft lebt, insbesondere als Mitglied einer Familie oder eines Haushalts». Wenn Kinder zu tanzen anfangen, kann ihr home jeder beliebige Ort sein, an dem sie von Eltern oder anderen Verwandten erzogen und versorgt werden: ein Ort, um anzukommen, die Hausaufgaben zu erledigen und gemeinsam mit der Familie Abendessen zu machen.
Es ist nicht ungewöhnlich für ambitionierte Ballettschüler, mit 14 oder 15 Jahren all das zu verlassen, was sie als home kennen – Eltern, Freunde, Verwandte, Schule –, um ihren alles bestimmenden Traum von einem Leben als Profitänzer zu verfolgen. Um eine renommierte Ballettschule zu besuchen oder eine, die an die «Traumkompanie» angeschlossen ist. Nach dem Abschluss mit 17 oder 18 Jahren suchen junge Tänzer ihr neues home. Wo es liegt, richtet sich danach, welche Kompanie sie unter Vertrag nimmt. Profitänzer sind gezwungen, schnell erwachsen zu werden. Sie sind oft noch Teenager, wenn sie bereits Geld verdienen und für ihren Lebensunterhalt aufkommen. Home ist dann weniger Schutzraum denn Notwendigkeit – ein kleines Apartment, Platz zum Schlafen und Ausruhen. Auf Reisen kann ein Hotelzimmer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Jahrbuch 2018
Rubrik: Identität, Seite 110
von Emilie Mazon
Rudol’f Chametovič Nuriev, so lautet sein Name in wissenschaftlicher Transliteration, ist ein Inbegriff der Heimatlosigkeit. Sie beginnt beim Namen. Im Tatarischen, der Sprache seiner Eltern, fand er nie Verwendung: Рудольф Мөхәммәт улы Нуриев oder Rudolf Xämät ulı Nuriev. Wobei noch immer ungeklärt ist, welchem Alphabet der Vorrang gebührt, dem kyrillischen oder...
Martin Schläpfer, eine Frage an den Tanzkünstler: Fühlen Sie sich wohl in Ihrem Körper, ist er Ihnen Heimat?
Martin Schläpfer: Oha …
… Sie schmunzeln?
Wenn ich tanze und physisch alles stimmt, was – außer bei Hans van Manens «The Old Man and Me» – in letzter Zeit so war, fühle ich mich als Tanzender sehr wohl, ja.
Was macht dieses Gefühl aus?
Ich meine es nicht...
Leicht ist es keinesfalls, auf zwei Hochzeiten zu tanzen, aber die 28-jährige Farah Deen versucht es trotzdem. Eigentlich ist sie auf Urban Dance spezialisiert, aber sie wagt auch Ausflüge ins schwierige Terrain des zeitgenössischen Fachs. Im Dezember des Vorjahres zeigte sie in ihrer Heimatstadt Salzburg die Uraufführung ihres ersten Solostücks «the Sky above, the...
