Emilie Mazon

16 Tanzschaffende denken darüber nach, was Heimat für sie persönlich bedeutet

Tanz - Logo

Der Begriff home wird beschrieben als «der Ort, an dem man dauerhaft lebt, insbesondere als Mitglied einer Familie oder eines Haushalts». Wenn Kinder zu tanzen anfangen, kann ihr home jeder beliebige Ort sein, an dem sie von Eltern oder anderen Verwandten erzogen und versorgt werden: ein Ort, um anzukommen, die Hausaufgaben zu erledigen und gemeinsam mit der Familie Abendessen zu machen.

 

Es ist nicht ungewöhnlich für ambitionierte Ballettschüler, mit 14 oder 15 Jahren all das zu verlassen, was sie als home kennen – Eltern, Freunde, Verwandte, Schule –, um ihren alles bestimmenden Traum von einem Leben als Profitänzer zu verfolgen. Um eine renommierte Ballettschule zu besuchen oder eine, die an die «Traumkompanie» angeschlossen ist. Nach dem Abschluss mit 17 oder 18 Jahren suchen junge Tänzer ihr neues home. Wo es liegt, richtet sich danach, welche Kompanie sie unter Vertrag nimmt. Profitänzer sind gezwungen, schnell erwachsen zu werden. Sie sind oft noch Teenager, wenn sie bereits Geld verdienen und für ihren Lebensunterhalt aufkommen. Home ist dann weniger Schutzraum denn Notwendigkeit – ein kleines Apartment, Platz zum Schlafen und Ausruhen. Auf Reisen kann ein Hotelzimmer ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2018
Rubrik: Identität, Seite 110
von Emilie Mazon

Weitere Beiträge
Constanza Macras

Austauschprojekte mit afrikanischen Tänzern stehen derzeit hoch im Kurs. Ein wahrer Glücksfall ist das Projekt «Hillbrowfication», das die Berliner Choreografin Constanza Macras mit 21 Kindern und Jugendlichen aus Südafrika erarbeitet hat. Die jungen Performer kommen alle aus Hillbrow: Einst ein Vorzeige-Stadtteil von Johannesburg, ist das Viertel heute ein Synonym...

Heimatstücke

Nicki Liszta: «Wolfgang» 

Auf dem Zuschauerpodest gegenüber lauern Wölfe. Wir würden sie lieben, wären sie nur Hunde. Aber Wölfe wandern und respektieren keine Grenzen. Man kennt sie nur aus der Ferne. Davor haben wir Angst. Jetzt sollen wir sie auch noch bei uns aufnehmen: «Mischlingswölfe, ein bisschen Polarwolf, ein bisschen arabisch», preist die Stimme. Das...

Der Kinosessel

Das Neueste von Hofesh Shechter oder Crystal Pite, Wayne McGregors «Woolf Works», ein rekonstruierter «Corsaire»: All das gibt es direkt vor der Haustür und mit toller Sicht, zwischen 20 und 30 Euro muss man zwar löhnen, spart aber die Reise nach London, Moskau, Paris. Über deren Kosten würde man sich manchmal sehr ärgern, bei Carlos Acos-tas unsäglicher «Carmen»...