Emil Hrvatin

Der Fragensteller. Letztes Jahr tauchte er im kollektiven Tanzabend «Collect-if» unter, dieses Jahr feiert er den Tanz als Kriegs-Entertainment für Blauhelm-Soldaten. Thomas Hahn sah es sich an. Emil Hrvatin denkt vor, und er denkt wild.

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Die Kollaboration mit dem deutschen Feind steckt noch drin in der slowenischen Seele. Nach dem Zweiten Weltkrieg folgte die Zeit der sozialistischen Kollektive in Jugoslawien. Heute, nach knapp eintausend Jahren gefühlter Besatzung, bricht in Slovenija die Zeit der Kooperation an. Kooperation verlangt, dass hinreichend viele die gleichen Spiele spielen, nach den Regeln des Kapitalismus. «Ohne einen normativen Konsensus solcher Re­geln fällt eine Gesellschaft in Bürgerkriegsparteien auseinander». Das schrieb Julian Nida-Rümelin, der deutsche Ex-Kulturstaatsminister.


Emil Hrvatin lächelt. Die deutsche Angst vor dem Versagen von Regeln amüsiert ihn. Sein kleines Slovenija ist dem Bürgerkrieg entkommen, nicht weil es Regeln befolgte, sondern weil es Kunst im Schilde führte. Die Bewegung hieß Neue Slowenische Kunst, als der Kommunismus auseinander brach. Aktionen von Musikern, Choreografen und Malern brachen unter dem gemeinsamen Label NSK mit dem Faschismus und dem Kommunismus. Am berühmtesten wurde die Band Laibach. Sie und andere ließen die Symbole der beiden Politformen des 20. Jahrhunderts solang aufeinander prallen, bis sie unter Jubel und Kritik zerfielen. Man duckte sich nicht, ...

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Tanz April 2005
Rubrik: Porträit, Seite 20
von Thomas Hahn

Vergriffen
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