Elastisch
Eingespannt in linienförmige Gebilde und mitten in einem energetischen Feld, so agiert die Performerin in schwarzem Tanztrikot und schwarzer Strumpfhose. Das, woran sie gefesselt ist, sind ebenfalls Strumpfhosen. Neun, zehn Befestigungspunkte und die Elastizität des Materials bestimmen den Radius ihrer Bewegungsmöglichkeiten. «Die Skulptur ist im Wortsinne eine Tanzpartnerin», hat Senga Nengudi 2016 in einem Interview erklärt. Seit 1975 hat die in Los Angeles geborene, zu den herausragenden Vertreterinnen der Bildenden Gegenwartskunst zählende Afroamerikanerin unter dem Titel «R.S.V.P.
» – für «Répondez, s’il vous plaît» – mehrfach Installationen entwickelt, bei denen Nylons an der Wand fixiert und am Boden verankert sind: Schlaff oder straff, verdreht oder verknotet, symbolisieren sie die Elastizität des Körpers; mit Sand befüllt, werden sie zu Hoden und Brüsten.
Nengudi hat diese Werke zunächst selbst im Atelier aktiviert, danach bei Ausstellungseröffnungen gemeinsam mit der Kollegin Maren Hassinger, einer langjährigen Freundin. Hassinger ist auch die Performerin der kraftvoll und achtsam austarierten Geometrien in den Foto-serien zu den «R.S.V.P.»-Performances. Ein ...
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Tanz Oktober 2019
Rubrik: Bewegung, Seite 4
von Thomas Betz
Outwitting the devil
Zuletzt hat er mit «Giselle» fürs English National Ballet einen Supercoup gelandet, jetzt wagt sich Akram Khan mit seiner eigenen Company an einen Urmythos der Menschheit: «Outwitting the Devil» tanzt auf den Spuren des Gilgamesch-Epos vom Anfang der Zivilisation ins Hier und Heute
William Forsythe
70 Jahre wird er alt, der Amerikaner, der...
Diese Bilder, sie bleiben einem für immer im Kopf: Der Alte mit der Pickelhaube, der zu Mahlers «O Mensch» mit der Kreissäge Babypuppen zersägt; das brennende Herrensakko im Schrank und bald darauf der Kopf einer jungen Frau in der Gasbackröhre; die Blutpumpe an blendendweißen Wänden, dann das blutige Gekröse, das ein Priester in vollem Ornat aus schwappenden...
«He did what he did. I did what I did. I am such an idiot! I picked a fight. For no reason. For nothing», hallt es durch den Festsaal der Berliner Sophiensæle. «Liebestod» heißt das neueste, hier vergleichsweise klassisch einquartierte Stück von Kattrin Deufert und Thomas Plischke, kurz deufert&plischke. Für seine partizipativen, mehrere Tageszeiten und ganze...
