Eisa Jocson, Venuri Perera «Magic Maids»
«Wer von Euch hat eine Sri Lankerin?», fragt Venuri Perera. «Wer hat eine Philippina?», setzt Eisa Jocson nach. Neugierig lassen sie ihre Blicke durch das Publikum streifen, das starrt erschrocken zurück, bestand es doch bislang aus geschützten Beobachter*innen. Und konnte in aller Ruhe den beiden Tänzerinnen zuschauen, wie sie, in schwarzen Fracks und Netzstrumpfhosen, minutenlang Besen über die Bühne schoben.
Elegant rückwärtsschreitend, den Blick vom Publikum abgewandt, die hölzernen Besenstiele zwischen ihre Oberschenkel geklemmt – ein so einfaches wie schmerzhaftes Bild, in das die Performance «Magic Maids» von Anfang an die nicht zuletzt sexualisierte Gewalt fasst, der Haushaltshelferinnen ausgesetzt sind.
In ihrem jüngsten Stück, uraufgeführt im Frankfurter Künstler*innenhaus Mousonturm, verhandeln Perera und Jocson beides. Kommen die Choreografinnen doch aus Ländern, die Haushaltshilfen und Care-Arbeiterinnen exportieren: Sri Lanka und die Philippinen. Perera und Jocson aber wenden den Blick zurück, und das Publikum ist Teil des Spiels. Mit Haushaltshilfen aus dem globalen Süden und dem Geschäft, das Züge von Menschenhandel besitzt, möchte hier allerdings niemand etwas zu ...
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Tanz März 2025
Rubrik: Kalender, Seite 34
von Esther Boldt
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