Mats Ek «A Cup of Coffee»
Im April wird der schwedische Choreograf Mats Ek 80 Jahre alt – sein jüngstes, mit Wayne McGregors «Infra» gekoppeltes Stück «A Cup of Coffee» könnte, so sagt er selbst, sein letztes sein. Man weiß also nicht so recht, ob man nach der Premiere von «McGregor/Ek» feiern oder trauern soll. Daher passt es vielleicht ganz gut, dass Ek ein typisch schwedisches Kaffeeritual zum Gegenstand seiner bezaubernden Kreation gemacht hat. In Schweden trinkt man nämlich zu jedem Anlass Kaffee, egal ob zum Geburtstag oder zur Trauerfeier.
Ana Laguna (die bald ihren Siebzigsten feiert) und der 65-jährige Yvan Auzely verkörpern ein prototypisches Paar, wie man es oft bei Ek sieht (und häufig von eben diesen beiden dargestellt). Schon in den 1980er-Jahren tanzten sie die legendäre «Gisèle»-Fassung des Choreografen, 2015 hackten sie in seinem Zweipersonen-Stück «Axe» Holz. Die zwei in ihrer inzwischen superreifen Karrierephase wiedersehen zu dürfen, ist ein Hochgenuss, zumal die Royal Swedish Opera unterdessen zum Schauplatz vieler geschätzter Signaturstücke von Ek geworden ist. Abermals zeichnet die 80-jährige Künstlerin Marie-Louise Ekman für Ausstattung und Kostüme verantwortlich: Diesmal hat sie zwei große Köpfe entworfen, deren Profile die Bühne beherrschen. Die Vorliebe des Choreografen für expressive Theatralik schlägt sich in Schritten wie in Blicken nieder und wird musikalisch von den mal warmumschmeichelnden, mal dramatischgewaltigen Klängen des Komponisten Anders Hillborg grundiert. Bestimmt und doch fließend, entschlossen und humorvoll behauptet das in Schwarz gekleidete Paar seine Räume um den im Ek’schen Universum häufig wiederkehrenden Tisch. Diesmal wird er in Form eines Servierwagens eingesetzt, auf, um und mit dem das Duo tanzt. Und an dem sich die beiden einander – selbstverständlich – Kaffee einschenken. Mit dieser trauten Zweisamkeit kontrastieren die zeit- und alterstypischen Rollenspiele der jungen Tänzer*innen-Generation des Royal Swedish Ballet. In farbenfrohen Kostümen kleiden zehn Männer und zwanzig Frauen Macht- und Beziehungsdynamiken in physische Weichheit und Geschmeidigkeit, dabei den einen oder anderen Gender-Kommentar mit Putztüchern wegwischend. In einer Szene spielt die weibliche Gruppe mit einem vollständig nackten Mann (Daniel Norgren-Jensen): Die Frauen applaudieren ihrem Spielzeug in stereotyp-weiblicher Art, um ihm bei der Bewältigung seiner einfachen Aufgaben Mut zu spenden. Später formieren sich die Männer mit Kochtöpfen behelmt zu einer militärischen Reihe, bevor der halbstündige Kaffee-Rausch mit einem unheilsschwangeren Bild unseres brutal entblößten Planeten endet: Die Tanzmatte wird zerrissen, die Bühne verschluckt alles Leben. Vergänglichkeit ist eben eine unausweichliche Tatsache, gegen die nicht einmal der stärkste Kaffee etwas auszurichten vermag.
Aus dem Englischen von Marc Staudacher
Wieder am 5., 7., 8., 10., 12., 15. März; www.operan.se
Tanz März 2025
Rubrik: Kalender, Seite 42
von Cecilia Djurberg
New York
«new combinations»
Unter dem Titel «New Combinations» spannte das New York City Ballet Altes und Neues zusammen: Auf Christopher Wheeldons «From You Within Me» (allzu süffig für Schönbergs «Verklärte Nacht») folgten zunächst George Balanchines «Variations pour une porte et un soupir». Der 1974 uraufgeführte Pas de deux mit akrobatischem Einschlag wurde frenetisch vom wohltuend...
Audition
TANZ_KASSEL
Search of contemporary dancers (all genders) for the season 2025/26 Audition (by invitation only): 22, 23 March
https://lanced.app/company/tanzkassel/ audition-for-season-2526
Fortbildungen
The Certificate Program in Laban/ Bartenieff Movement Studies (LBMS)
The Basic Level runs over two years in an intensive format in English starting in April 2025. The schedule for...
Vom siebten Stock des Staatstheaters Kassel aus erschließt sich die DNA der Stadt: Im Osten räkelt sich die prachtvolle Orangerie in der Wintersonne, ringsum leuchtet satter Rasen, während durch die Südfenster ein Regentief in den Ballettsaal hineinblinzelt. Der neblige Grauschleier lässt die Nachkriegsarchitektur rund ums Fridericianum so trist wie einfallslos wirken, was die...
