Eine Tänzerin verschwindet
Eisiger Wind fegt über den Friedhof Montmartre. Warum nur lässt sich dieses Grab nicht mehr finden, es war doch irgendwo in der Nachbarschaft von Théophile Gautier, nicht weit von der Ruhestätte der Brüder Goncourt? Oder doch näher bei Heinrich Heine und Hector Berlioz? Komischerweise ist es auch vom Friedhofsplan verschwunden.
Da erscheint hinter der nächsten Biegung zumindest das Memento mori für Vaslav Nijinsky – ein abscheulicher Bronze-«Petruschka», ein Trauerkloß für einen Tanzkoloss.
Die Erinnerung täuscht nicht, denn von hier aus lässt sich das Ziel leichter orten: Auf einer Stele zehn Meter weiter paaren sich ein Dutzend verwitterte Spitzenschuhe mit verblühten Knospen.
«Wollen Sie vielleicht noch ein Paar dazulegen?» Die resolute Pariserin, die eine ganze Schar verfrorener Friedhofskatzen verköstigt, schüttelt den Kopf: «Dabei liegt die doch gar nicht da drin!»
Wie jetzt? Sind alle Besucher hier auf der falschen Fährte? Die Inschrift ist doch eindeutig, da steht «Marie Taglioni». Also ruht unter dem graumelierten Gestein die erste Sylphide der Tanzgeschichte, die größte Ballerina des 19. Jahrhunderts und Hohepriesterin der Romantik – beziehungsweise das, was 125 Jahre ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Brasilianerin nähert sich zwar den Best-Ager-Jahren. Aber ihr Tanztheater ist so sportiv und trendy, dass es jüngere Konkurrenten mitunter locker abhängt. So hat die Choreografin mit akrobatischen Kunststückchen experimentiert, als die übrige Szene das Zirkusgewerbe noch für einen schmuddeligen, scheintoten Nachbarn hielt. «Rota», 1997 für Colkers Companhia de...
Endlich hat das Bolshoi einen neuen Vasiliev. Der einfache russische Familienname Vasiliev ist in der Ballettwelt lang schon ein Symbol für das russische Ballett und das Bolshoi. Vladimir Vasiliev war ein legendärer Tänzer der Jahre 1960 bis 1980, ein bisher nicht überbotener erster Spartak. Er versprühte den Stolz der russischen Kultur. Nach seinem Abschied von...
«More, More, More... Future» nennt Faustin Lin-yekula sein neuestes Werk, eine Kongo-Punk-Performance. Denn in seiner Heimat hat niemand ein Recht auf Zukunft, findet er. Da rezitieren zwei Sänger traumhaft schöne und dabei hoch politische Texte eines Freundes. Der schreibt sie in seiner Gefängniszelle, ist politischer Gefangener. Linyekula mutet dagegen an wie der...
