eine gute geschichte...

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...ist selten eine wahre Geschichte. Die berühmteste Lüge lautet:
«Früher war alles besser» – «Nur ich nicht», ist somit die reine
Wahrheit. Das Früher ist das Verklärte. Wie bei religiösen Schriften
kristallisiert sich auch in der Kunst erst nach und nach eine als
endgültig betrachtete Version heraus, ein Popanz des Gewesenen.
Umso mehr Mut braucht man, diesem Kanon auch mal das
Apokryphe, das angeblich nicht gut Erzählte, wieder hinzuzufügen.


1983 choreografierte Reinhild Hoffmann «Callas», ein Stück über
den Schein und die Lüge des Theaters. Ihr Meisterwerk (Seite 8)
war genau ein solches Apokryph, ein Kommentar zur Verklärung
der Operndiva Maria Callas. Hoffmann ging es darum, wie man die
«wahre Callas» zu Geschichte verklärt hat. Dabei wird doch auch im
Tanz immer verklärt. Die geglättete Wahrheit dient aber einem guten
Zweck: Geschichte ist ein Schutzschild für die Nachgeborenen, auf
das sie sich stützen, damit es dem Tanz in der Gegenwart gut geht.
Geschichte ist nie wirklich gelogen. Nur die Sätze werden kürzer,
die Kopien des Vergangenen ironischer (Seite 4). Die berühmte
«Ironie der Geschichte» heißt: Erst als Short Story wird Geschichte
überhaupt greifbar. Jetzt, wo das ...

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Tanz Juni 2012
Rubrik: editorial, Seite 1
von

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