ein Haus...
...auf der Bühne ist immer ein bisschen kleiner als in Wirklichkeit. Menschen dagegen bleiben auf dem Theater stets von gleicher Größe. Weil Alice im Wunderland schrumpfte, aus einem Fläschchen trank und daraufhin so schrecklich wuchs, dass sie zu groß für so ein Haus wurde, greift jedes Theater zum gleichen Trick: Es macht das Haus ein wenig kleiner, damit Alice größer erscheint. Das Theater passt die Realität den Menschen an, nicht die Menschen an eine veränderte Realität.
Auch Christopher Wheeldon nutzt diesen Effekt für «Alice's Adventures in Wonderland».
Aber die britische Ballettwelt ist geschockt. Denn das Wunderland wird buchstäblich zum Negativ des viktorianischen Biedermeier. «Home Sweet Home» ist auf das kleine Haus gestickt, in dem die Ballerina zu Übergröße aufkeimen könnte. Doch Wheeldon inszeniert exakt das Gegenteil. Das Ballett wird klein und kleiner, die visuellen Effekten werden immer größer. In einer unheilen Welt spielt der Mensch kaum eine Rolle. Das transatlantische Wunderkind Christopher Wheeldon hat mit dem ersten neuen Handlungsballett nach sage und schreibe 16 Jahren am Royal Opera House nichts weniger als ein Beben verursacht: Der Mensch und sein Tanz ...
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Tanz Mai 2011
Rubrik: editorial, Seite 1
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