Ein Gebet

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Ich weiß, dass ich im Theater bin
und ich weiß, dass ich um mein Leben nicht zu fürchten brauche.
Ich brauche weder zu fürchten die Bevormundung meines Geistes
noch die schmerzhafte Zerlegung meines Körpers in seine Teile.
Ich habe keine Angst vor der langen Weile, die vor mir liegt, noch
muss ich die Kurzweil fürchten.
Was ich im Kunstwerk erkenne, soll nicht vorbestimmt sein,
es ist ganz allein mein eigenes Erkennen.
Ich werde seinetwegen weder gelobt noch getadelt.


Ich werde genau so wenig gelobt oder getadelt für mein Nicht-
erkennen. Da ich weder das eine noch das andere zu fürchten
habe, steht mir frei, beides in Anspruch zu nehmen.
Ich will verstehen, was die Künstler mir sagen wollen.
Dazu benutze ich die mir verliehene Gabe der Interpretation.
Aber auch der Fehlinterpretation werde ich mich nicht
verschließen, da ich weiß, dass ich das eine vom anderen
nicht unterscheiden kann. Niemand wird mir deswegen eine
Böswilligkeit unterstellen.
Ich wünsche, dass ich das Theater am Ende unversehrt
und unbehelligt wieder verlassen kann.
Falls aber ein Feuer ausbricht, werde ich mich ruhig und
gefasst verhalten, bis man mich auffordert, das Applaudieren
zu beenden und einen Ausgang aufzusuchen.
Fü ...

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Tanz Juni 2018
Rubrik: Warm-Up, Seite 1
von Jo Fabian

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