Ein Brief aus Istanbul
Istanbul, die Schöne, die Geheimnisvolle, die Faule und Quicklebendige, war immer schon und ist noch heute eine kosmopolitische Stadt. Das Klischee vom Brückenkopf zwischen Europa und Asien ist oft strapaziert worden und trotzdem wahr. Keine andere Metropole, Rio de Janeiro vielleicht ausgenommen, hat eine solche Lage, solches Wetter und solche hinreißenden Bewohner. In ihrer wechselvollen Geschichte hat die Stadt viele Kulturen verschmolzen und absorbiert – wo sonst sollte die Kunst blühen, wenn nicht hier? Und das tut sie.
Die Istanbul Foundation for Culture and Arts veranstaltet je ein Theater-, Film-, Musik- und Jazz-Festival sowie die Biennale für zeitgenössische Kunst. Das Theaterfestival, inzwischen in der 15. Saison, lädt seit jeher auch Tanzkompanien ein; diesmal waren es Cullberg Ballet (Jubel) und Rosas (Ratlosigkeit). Die wunderschöne Aufführung «Raga for the Rainy Season/A Love Supreme» von Anne Teresa De Keersmaeker kam hier überhaupt nicht an – zu monoton, zu repetitiv, zu kalt. Istanbul will Emotionen und Leidenschaften, nicht Konzeptionen und Spiritualität. Darum vergöttern sie Pina Bausch, die sie geradezu als «Ehrentürkin» betrachten (und die in Istanbul eine ...
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Zu den «Goldberg Variationen» nicht tanzen. Und das nackt, wie im Paradies. «Frans Poelstra, his Dramaturg and Bach» beginnt mit dem Blick auf einen CD-Spieler, eine Bach-Büste und Räucherstäbchen. Auf dem Mikrofonständer reitend erklärt Poelstra, dass er so seinen Körper «noch weiter ausdehnen» kann und daher «Bachs Musik noch besser huldigen.»
Robert Steijn,...
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