Dortmund: Xin Peng Wang «Inferno»

Auch das Inferno muss seine Ordnung haben. Neun Höllenkreise hat der italienische Nationaldichter Dante einst konzipiert und für jeden ein sehr penibles Folter-System entworfen: Für die Gierigen gibt es das Bad in einer Kloake, den Wahrsagern wird das Gesicht auf den Rücken verrenkt, und die Geizigen und die Verschwender martern sich logischerweise gegenseitig. Jedem Sünder seine Pein, das könnte auch ein Choreograf so entworfen haben. Doch Dortmunds Ballettchef hat weniger die Bilddrastik als die Akkuratesse des Systems fasziniert.

So walten in seiner Hölle Symmetrie, Disziplin, veredelte Form, egal wie sehr es hier auch jault, sirrt und wimmert. 

Denn Chefdramaturg Christian Baier hatte die Eingebung, den infernalischen Trip mit Michael Gordons großartig nervenzerreißender Komposition «Decasia» zu untermalen. 2002 kreierte der Post-Minimalist die Musik als Soundtrack für einen Film von Bill Morrison und verkündete mit interessant verstimmten Klavieren, zersplitterten Orchesterklängen und Sirenengeheul den Zerfall einer Zivilisation. So windet sich die Musik zu Wangs «Divina Commedia»-Teil wie in einem ewig dauernden Sturz, während Dante durch die Höllenkreise zum Erdinneren ...

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Tanz Februar 2019
Rubrik: Kritik, Seite 34
von Nicole Strecker