Dmitris Papaioannou: «TRANSVERSE ORIENTATION»
Oben links hängt eine Neonröhre. Sie flackert, brummt, fällt auch mal fast von der langen, weißen Wand. Dann kommt ein emsiges Team langer, schwarzer Silhouetten mit kleinen, kugelförmigen Köpfen und einer Leiter, um die Lichtstörung zu beheben. Es ist der Running Gag in «Transverse Orientation», lang erwartet und endlich uraufgeführt auf der «Biennale de la Danse» in Lyon. Es bestätigt sich, was Dimitris Papaioannou zuvor in seiner Inszenierung für das Tanztheater Wuppertal («Since She», 2018) angedeutet hat: Er mag es auch burlesk.
Dabei geht es hier, wie zuvor in «The Great Tamer» (tanz 10/17), um Leben und Tod. Theseus muss es mit dem Minotaurus aufnehmen, um die Kette der Menschenopfer zu durchbrechen. Der Choreograf und Regisseur erzählt uns nicht die Heldentat. Er stellt einen lebensechten schwarzen Stier auf die Bühne, faszinierend, abstoßend und handzahm. Er wird von den Akteuren so geführt, dass Mensch und Bestie graziös miteinander verschmelzen, dass die Geburt des Minotaurus mit jener der Ariadne zusammenfällt. Papaioannous typisches Chiaroscuro aus schwarzen Herrenanzügen und blasser Haut spielt auch hier eine visuelle Hauptrolle. Breanna O’Mara, die der Athener für ...
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Tanz Juli 2021
Rubrik: Kalender, Seite 41
von Thomas Hahn
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