Die Hoffnungsträger
Unlängst schlüpfte Ida Praetorius am Kongelige Teater von Kopenhagen noch einmal in die weibliche Hauptrolle von John Neumeiers «Romeo und Julia» – die sie erstmals mit 19 Jahren innehatte, im Jahr 2013. Ungeachtet ihrer vielseitigen technischen Begabung bestach ihre damalige Interpretation nicht durch eine sonderlich persönliche Lesart. Bei der Wiederaufnahme aber zeigte sich Ida Praetorius bemerkenswert gereift.
Vor drei Jahren noch war sie jung, heute spielt sie eine junge Heldin: glücklich-beseelt zu Beginn des Dramas und schließlich von tiefer, verschatteter Verzweiflung an dessen tragischem Wendepunkt. Hochgewachsen und schlank, verfügt Praetorius über jene lyrische Präsenz, die von Ballettmeistern so geschätzt wird. Darüberhinaus veredelt sie ihr Julia-Porträt mittlerweile durch eine bestechende Körpersprache, die jeder noch so subtilen Nuance im vielschichtigen, stimmungsreichen Gefühlsleben der Figur gerecht wird.
In der jüngeren Vergangenheit förderte das Royal Danish Ballet kaum das künstlerische und spirituelle Wachstum seiner herausragendsten Tänzerinnen. Zwar bekamen die talentiertesten Ballerinen der Kompanie in ihren Jugendjahren durchaus die Gelegenheit, ...
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Tanz Jahrbuch 2016
Rubrik: Die Saison 2015/16, Seite 168
von Charlotte Christensen
Dem Tanz haftet – vielleicht wie keiner anderen Kunstform – der Nimbus einer universellen Sprache an. Grenzüberschreitend soll er die Menschheit verbinden und – so die Mission des Welttanztages der UNESCO – zum Weltfrieden führen. Der 29. April dient alljährlich dazu, «alle Formen des Tanzes an diesem Tag zu vereinen, den Tanz zu feiern, seine Globalität...
Seine Heimatstadt Tsingtao am Gelben Meer im äußersten Osten Chinas war einst deutsche Kolonie. Ihren energiegeladenen, tanzfreudigen Sohn Wei schickten die Eltern auf die Beijing Dance Academy, wo er eine solide siebenjährige Ausbildung erhielt: klassischen und modernen Tanz, internationale Folklore. Danach tanzte er sieben Jahre im National Ballet of China:...
Schön sein kann jeder Tänzer, Hässlichkeit erfordert Mut. Der Australier treibt alles bis ans Limit und gibt deshalb auch ein Monster nach Maß für Liam Scarletts «Frankenstein» am Royal Ballet in London
Er hat einen feingliedrigen, fast femininen Körperbau, einen blassen Teint, dazu rotblondes Haar. Mit seiner hohen, feinen Stimme beantwortet er kultiviert und mit...
