Die Hoffnungsträger

Rabih Mroué

Ein Frühlingsvormittag in den Berliner Uferstudios. Das Bullauge in der Tür, hinter der gerade geprobt wird, ist mit Zeitungspapier verklebt. Nur ein winziger Spalt lockt das Auge – gerade groß genug, um ins Innere zu linsen. Da sitzt ein graumelierter Lockenkopf auf dem Boden und schaut gebannt sechs Tänzern zu, die ausdauernd eine einzige Passage wiederholen, sich dabei leise austauschen, Kritik und Kommandos zuwerfen. Ein paar Minuten später hocken und stehen sie um den herum, der sie so aufmerksam beobachtet hat, und nehmen sein Feedback entgegen.

«Ich weiß zumindest genau, was ich nicht sehen will», sagt Rabih Mroué später. Insofern ist das Dance-On-Ensemble, bestückt mit lauter Akteuren 40+, für den choreografischen Debütanten ein Idealpartner. Denn jeder hier hat so viel Erfahrung und Impro-Angebote im Gepäck, dass Mroué die Linie festlegen kann, um sich danach dem Dirigieren, Sortieren, Arrangieren, Komplettieren und eben Eliminieren der Offerten zu widmen. Heraus kommt in diesem Fall ein auf Kampnagel uraufgeführtes, wunderbar vielfältiges und zugleich komplex verdichtetes Stück: «Water between three hands».

Mroué hat sich damit den Wunsch erfüllt, Tänzer und tänzerische ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2016
Rubrik: Die Saison 2015/16, Seite 167
von Dorion Weickmann

Weitere Beiträge
Die Hoffnungsträger

Ihn einen Anfänger zu nennen, ist nicht mehr richtig – zumindest, was seine russische Heimat betrifft. Dort gilt er bereits seit Langem als vielversprechender Tänzer und hochtalentierter Choreograf. 2010 hat er in Moskau für Aufsehen gesorgt, als er die «Goldene Maske» als bester Tänzer für seine Darstellung des Mercutio in einer neoklassischen Version von «Romeo...

Die Hoffnungsträger

Sie ist keine Künstlerin – auch wenn das, was sie sich vorgenommen hat und was die internationale Tanzwelt von ihr erwartet, einem Kunststück gleicht: Adolphe Binder übernimmt im Mai 2017 das Tanztheater Wuppertal. Sie ist Kulturmanagerin, Kuratorin und war zuletzt künstlerische Leiterin der GöteborgsOperans Danskompani. Also keine Choreografin, die über ihre...

Die Hoffnungsträger

Eine Naturbegabung als Wrestling-Kommentatorin, ein beachtliches Talent in Suspense und in Synchronschwimmen, ein Händchen für Songwriting und Clipdesigning: Kareth Schaffer hat ihren Hang zum Doppelbödigen und Bodenlosen bereits in Formaten bewiesen, die nicht unbedingt als tanznah gelten. Spätestens mit dem abendfüllenden «Unheard of» (2015) ist klar, dass auch...