Die Fußstapfenfalle

Thusnelda Mercy tanzt beim Tanztheater Wuppertal, genau wie der Vater. Sie tanzt Rollen von Pina Bausch, genau wie einst die Mutter. Ist das nun Last oder Lust?

Pina Bausch tanzt mit einem riesigen Film-Goldfisch. Weil ihm das Schwarz-Weiß-Foto seine Farbe klaut, werden die beiden einander noch ähnlicher. Dieses Bild zu «Danzón» hängt im Foyer des Wuppertaler Opernhauses und prangt nun überm Kopf von Dominique Mercy. Neben ihm sitzt seine Tochter Thusnelda, die wie er Mitglied im Tanztheater Wuppertal Pina Bausch ist. Was hat es hier mit dem Erben auf sich? Welche Gaben, Möglichkeiten, Wünsche, Widerstände sind damit verbunden?

Er habe nie etwas geerbt. Keine Möbel, kein Haus, kein Geld, sagt Dominique Mercy.

Aber er habe immer noch die Handschuhe seines Vaters. «Die kommen auch in ‹Walzer› vor, als Zitat», schiebt er hinterher. Was plötzlich begreiflich macht, dass sich die Bausch-Stücke aus Persönlichem der Tänzer speisen, dass aber umgekehrt auch deren eigene Geschichte und Erinnerung darin aufbewahrt wird. Als Mercy eine Rolle in «Walzer» übernahm und jeder Tänzer für eine bestimmte Szene ein Objekt vorstellen sollte, das seinen Eltern gehört hatte, brachte er diese Handschuhe ein. Der Vater war schon tot. «Das ist das Einzige, was ich von ihm habe», sagt der Sohn im Gespräch.

Thusnelda Mercy empfing Ohrringe und eine Kette der ...

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Tanz März 2014
Rubrik: traditionen, Seite 54
von Melanie Suchy

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