Die Flößer

Werner Schroeter inszeniert sein erstes «choreographisches Theater». Der Titel: «Ein Walzertraum oder die Juwelen der Callas. Eros’ Heimfahrt» – eine Hommage an Camp und Callas – und ein Farewell aufs Tanztheater.

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Werner Schroeter

war ein Star, einer der Motoren des kollektiven Coming-out: Die Party hob in den 1970ern an, sie war ein Segen, ein Karneval der Kulturen quer zu allen alten Zuweisungen des Geschlechts, der Herkunft, der sozialen Unterschiede. In Cliquen wie Schroeters erfanden sich die, die «anders» waren, in den alten Uniformen eine neue, ihre eigene Identität. Schroeter erfand sich einen Hut nach Beuys, die stark beringte Hand nach Sigmar Polke, die glatt gekämmte Zopf-Frisur, und sein Freund Rainer Werner Fassbinder holte die Lederjacke von Brecht aus dem Schrank.

Generationen kopieren seither diese Münchner «Eichen-Bohème». Ihr gemeinsamstes Merkmal: die hemmungslose Liebe, wenn nicht zu Elisabeth Schwarzkopf, dann zu Maria-Callas-Arien und Magdalena-Montezuma-Posen. Bald nahm diese verschmockte Sehnsucht Kurs auf die Hochkultur. Susan Sontags Aufsatz zu «Camp» stand damals in jeder Studentenbude. «Camp» als kitsch-freudige Fetischisierung der Hochkultur. Und das Theater nahm diese Buben gern bei sich auf. Sie zettelten großartige Revolten an, feierten den unbedingten, wunderschönen Schockschmock. 1973 hatte Werner Schroeters «Salome» mit Christine Kaufmann Premiere, mit der ...

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Tanz Dezember 2005
Rubrik: Premiere, Seite 8
von Arnd Wesemann

Vergriffen
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