Synästhesie

Sie war eine der wenigen Frauen am Bauhaus: Gertrud Grunow. «Harmonisierungslehre» nannte sie die Basiskunst aller Bewegung. Der Autor Tom Saller hat sich mit der Pädagogin und ihrem Werk beschäftigt

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Um es vorwegzunehmen: Ich verstehe nichts von Tanz. Weder von klassischem noch von modernem Tanz, weder von der Praxis noch von der Theorie. Umso erstaunlicher, dass ich einen Artikel für eine renommierte Tanzzeitschrift schreiben darf. Dies hängt damit zusammen, dass ich während der Arbeit an einem Roman auf das Fräulein Grunow gestoßen bin – Gertrud Grunow, eine Frau, die im Gegensatz zu mir definitiv etwas von Tanz verstand. Und von vielem anderen mehr. Doch der Reihe nach. 

Der Roman, den ich geschrieben habe, heißt «Wenn Martha tanzt».

Er spielt etwa zur Hälfte am Bauhaus, in Weimar. Zufall oder auch nicht: Dort haben wir, das Fräulein Grunow und ich, uns kennengelernt. Unabhängig von Zeit und Raum. Was ist geschehen?

Ich hatte meine Heldin mit einem besonderen Talent ausgestattet: Sie kann Musik in Formen und Figuren sehen. Um diese Fähigkeit herum entwickelte ich in meiner Fantasie ein Theoriegebäude, welches ich für sehr originell und, ehrlich gesagt, ein wenig übertrieben hielt. Welcher Leser sollte mir abnehmen, dass man ein rotes Viereck tanzen kann? Umso größer war meine Überraschung, als ich feststellte, dass knapp einhundert Jahre zuvor jemand auf genau die gleiche ...

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Tanz Juni 2019
Rubrik: Traditionen, Seite 54
von Tom Saller

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