Diana Vishneva
Diana Vishneva,
viele populäre Ballette stammen aus Zeiten, die für uns sehr weit weg sind. Wie verkörpern Sie heute Charaktere, die in der Romantik entstanden sind? Immer, wenn man eine neue Arbeit, eine neue Rolle angeht, will man mehr über die Epoche wissen. Über die Tänzer von damals, für die die Rollen entwickelt wurden, was die Epoche für sie bedeutete, warum die Tänzer die Rolle so und nicht anders getanzt haben – so fängt man an, von etwas Vergangenem zu lernen.
Aber mein Denken ist natürlich modern, völlig zeitgenössisch, denn mir ist ja klar, dass ich all das heute tanze. Darum ist es zum Beispiel unmöglich, einen noch so brillanten Tänzer der Vergangenheit zu kopieren.
Sie tanzen auch zeitgenössische Ballette – empfinden Sie dabei dieselbe Leidenschaft wie für die Rollen des 19. Jahrhunderts? Oder anders gefragt: Wie sehr hilft es, eine Rolle zu tanzen, wie es sie damals gab, den klar definierten Charakter? Heute muss eine Ballerina ebenso gut zeitgenössisch wie klassisch tanzen können. Gäbe es heute noch eine von uns, die nur klassisch tanzen könnte, ohne jede Ahnung vom Zeitgenössischen – niemand ...
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