Der Eventweltmeister

Arnd Wesemann traf sich mit André Heller, dem künstlerischen Leiter des Kulturprogramms der FIFA WM 2006

Tanz - Logo

«Des Lebens ungemischte Freude ward keinem Irdischen zuteil. Deshalb haben uns die Götter den kompletten Heller geschickt, diesen durchaus ungezogenen Liebling der Grazien. Damit im Genuss immer auch eine Portion Ärgernis steckt und umgekehrt.» Ulrich Weinzierl

Der Zuckergussleuchtturmwärter.
Was immer man von André Heller denkt, ein Respekt bleibt, weil dieser Spektakelmacher noch aus jeder noch so kleinen Pantomime einen spektakulären Leuchtturm aus Zuckerguss bauen kann.

Was dann Millionen bewundern, schiebt seine Kritiker fast automatisch als kopfschüttelnde Kultursnobs in die Ecke der Verkopften und Verklemmten. Dieser Wiener hat die Gabe, so heftig gefühlig den Schellenbaum zu schütteln, bis auch der letzte Kulturbanause sich hinterm Ofen vorwagt. Dazu backt er Botschaften von weltflüchtigem Fantasieausmaß und lädt jeden ein, mit ihm die Macht, Pracht und Herrlichkeit, schlimms­tenfalls sogar den «Magnetismus» des Theaters zu beschwören. Und es schert ihn wenig, wenn sich dazu ausgerechnet Macht, Pracht und Herrlichkeit des Theaters hinter genau dem Ofen wieder verstecken, den das Volk doch gerad verließ. Weil André Heller nicht «Kunst», «Anspruch» oder «Genie» auf seine ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Januar 2006
Rubrik: Ball und Bälle, Seite 34
von Arnd Wesemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Susanne Linke

Susanne Linke ist wahnsinnig ehrlich und kein bisschen in sich selbst vernarrt. Dem Herausgeber ihrer großformatigen ersten Monografie Schritte verfolgen, Norbert Servos, legt sie in zahlreichen Sitzungen das Leben einer großen Lady des deutschen Tanzes aus. Man liest mit Respekt und in auf­steigender Linie ein freies Leben ohne Abschließendes und ahnbares Ende....

Raffaella Giordano: «Tu non mi perderai mai»

“Tu non mi perderai mai“ – “You‘ll never lose me“ is the title of the new solo by Raffaella Giordano/Sosta Palmizi, created with the intention of translating with movements “in space [...] the words which resound in time,“ particularly the ones contained in the biblical “Song of Songs.“ One would never suspect this inspiring sub-text if Giordano herself didn‘t...

Gezeiten

Das Wort Katastrophe, aus dem Altgriechischen stammend, meint eine Wendung, die sich gegen etwas oder einen richtet. Darum gehört die Katastrophe auf die erhabene Seite der Natur wie der Steinschlag im Gebirge. Akustisch hebt so auch das neue Stück von Sasha Waltz an, das Grollen eines Erdbebens, der Weinkrampf einer Frau. Mit geschlossenen Augen ist das Stück ein...