Der Eventweltmeister
«Des Lebens ungemischte Freude ward keinem Irdischen zuteil. Deshalb haben uns die Götter den kompletten Heller geschickt, diesen durchaus ungezogenen Liebling der Grazien. Damit im Genuss immer auch eine Portion Ärgernis steckt und umgekehrt.» Ulrich Weinzierl
Der Zuckergussleuchtturmwärter.
Was immer man von André Heller denkt, ein Respekt bleibt, weil dieser Spektakelmacher noch aus jeder noch so kleinen Pantomime einen spektakulären Leuchtturm aus Zuckerguss bauen kann.
Was dann Millionen bewundern, schiebt seine Kritiker fast automatisch als kopfschüttelnde Kultursnobs in die Ecke der Verkopften und Verklemmten. Dieser Wiener hat die Gabe, so heftig gefühlig den Schellenbaum zu schütteln, bis auch der letzte Kulturbanause sich hinterm Ofen vorwagt. Dazu backt er Botschaften von weltflüchtigem Fantasieausmaß und lädt jeden ein, mit ihm die Macht, Pracht und Herrlichkeit, schlimmstenfalls sogar den «Magnetismus» des Theaters zu beschwören. Und es schert ihn wenig, wenn sich dazu ausgerechnet Macht, Pracht und Herrlichkeit des Theaters hinter genau dem Ofen wieder verstecken, den das Volk doch gerad verließ. Weil André Heller nicht «Kunst», «Anspruch» oder «Genie» auf seine ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ein beinah noch junger Mann wundert sich in der Bar des kleinen Wiener Konzerthaustheaters. Er sei zufällig hier bei Wien Modern hereingeschneit, sagt er. So viel junges, ausgelassenes Publikum bei einem Festival für Neue Musik – an einem mehrteiligen Abend, der «Maurische Mauern» heißt und James Joyce zum Thema hat. Der Mann hat mehr elitäre Abgehobenheit...
Niemand schaut in den Mond. Wenn das Ballett beginnt, sehen sich alle Beteiligten an. Keine Bewegung, nichts. Anna Polikarpova ist es, die als Erste den lähmenden Bann durchbricht. Langsam, unendlich langsam bückt sie sich und greift zu der Tasse, die auf dem Boden der Bühne steht – und wie vom Duft des Kaffees animiert, beginnen die «Nocturnes» zu tanzen – zaghaft...
Afro war zu Zeiten von Martin Luther King und Apartheid der Lockenlook protestierender Nachkommen afrikanischer Sklaven, die, obwohl Kinder von Feldarbeitern, richtig gut tanzen konnten. Falls sie nicht Jimmi Hendrix hießen. Der Wahlwiener Bob Curtis (© Michael Winkelmann) ist einer von ihnen, der zufällig zum Tanz kam, es dann aber gleich an die streng weiße...
