Das Subjekt als sujet: Jérôme Bel
In all Deinen Stücken spielen Eigennamen eine große Rolle. Jérôme Bel hat 1995 den Diskurs über den Körper «Jérôme Bel» eingeleitet. In «Le dernier spectacle» (1998) wurden mehrere Eigennamen wie André Agassi oder Susanne Linke verwendet, die alle, neben einem bestimmten Kostüm, das sie kennzeichnete, mit einer eigenen Bewegung verbunden wurden. In all diesen Beispielen funktionierte der Eigenname wie ein sprachliches Zeichen, ein Signifikant, der den kulturellen Prozess, der den Körper hervorbringt, schließt und zum Stillstand bringt.
Man kann Personen anhand ihrer Namen als «solche» identifizieren. Wie verhalten sich Deine letzten beiden Stücke, «Véronique Doisneau» (2004) und «Pichet Klunchun et moi» (2005), zu diesen früheren Arbeiten? Ja, die Eigennamen sind sehr wichtig, weil sie es erlauben, jede Aktion zu identifizieren und sie jemand Verantwortlichem zuzuschreiben. Hinter jeder Aktion steht ein Handelnder, jemand, der eine Entscheidung trifft. Deshalb versuche ich, soweit ich es kann, die Verantwortlichen für ihre Handlungen zu benennen: Jérôme Bel, Claire Haenni, Igor Strawinsky, Xavier Le Roy, Susanne Linke oder Christian Dior. VéroniqueDoisneau, Pichet Klunchun sind ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Videoperformance Apa (Mutter der Mutter der Mutter) ist ein schamanistisches Ritual, eine Anrufung der großen Mutter oder Ur-Frau. Die Performance, aufgeführt von einer Gruppe weiblicher Schamanen in den verschneiten Bergen von Almaty, Kasachstan, basiert auf drei Grundsymbolen: Schnee, Körper und Berge. Die nackten Körper stecken in Schneeröcken. Der Schnee...
Rushhour in Moskau. Alle Räder stehen still. Die ohnehin schon engen Straßen sind zugeparkt – nicht von Leuten, die gerade mal kurz in einem der sündhaft teuren Geschäfte shoppen gehen oder sich in einem Café rund um den Theaterplatz einen Drink genehmigen, sondern von jungen Fahrern, die sich an diesem heißen Nachmittag bei laufenden Motoren dauerhafte Kühlung aus...
Die spartenübergreifende Arbeit am Theater ist mal wieder in aller Munde:
1. Weil erfolgreiche Kollegen nach langen Jahren ihre Verträge aufkündigen, da ein neuer Intendant Einsätze des Ballettensembles in Musical und Operette verlangt, oder 2. Weil immer noch manche Intendanten argumentieren, der Tanz würde die Operette zu seiner Rechtfertigung brauchen.
Letzteres...
