Den Staub rauswedeln

und sich ständig neu erfinden: Der Wiener Theophilus Veselý brilliert bei Gauthier Dance in Stuttgart.

Wie ein Troll fegt der Tänzer über die Bühne, flüchtet vor sich selbst, grimassiert vor einem zitternden Spiegel. Verzweifelt lachend bricht er in Tränen aus und wird vom Selbstzerstörer zum Traumtänzer, dessen krampfende Glieder sich, wie es in den schönsten Momenten des Choreografen Marco Goecke passiert, plötzlich in geraden Linien auflösen, in einer fernen Erinnerung an die klassische Schönheit. Ein ganzes Leben durchtanzt Theophilus Veselý in seinem langen Solo, mit dem sich die Einsamkeit der Quarantäne zum rohen Existenzialismus weitet.

«Er hat einmal gesagt, dass es das ultimative Corona-Solo ist», erinnert sich der österreichische Tänzer an die Proben mit Goecke. «Nicht dass wir alle angefangen haben, mit dem Spiegel zu reden – aber der Spiegel ist dir am nächsten, vor allem wenn du dich isolierst. Du entkommst dir selbst nicht.» Mit dem fast viertelstündigen Alleingang zur «Rhapsody in Blue» setzt Veselý im Stuttgarter Theaterhaus den atemlosen Schluss- und Höhepunkt in «Lieben Sie Gershwin?» (tanz 11/20) – wieder so ein außergewöhnlicher Tänzer, den Goecke wie mit einer Explosion ins Rampenlicht rückt. Dort steht der geborene Wiener zwar schon, seit er ein Kind war, ...

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Tanz Januar 2021
Rubrik: Menschen, Seite 18
von Angela Reinhardt

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