Deborah Colker

Die Brasilianer wollen die WM gewinnen. Ihre Landsfrau Deborah Colker hat die Vorlage geliefert. Mit «Maracanã» schickt sie einen FIFA-WM-Beitrag durch die Theater, bei dem Klaus Witzeling seine Zweifel hat, ob diese Mannschaft wirklich punktet

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Fußball ist gleich Krieg. Für die alte Sporthass-Tante Elfriede Jelinek rechtfertigt sich im Kampfspiel um den Ball «das einzig sanktionierte Auftreten von Gewalt». Entspanntere Vertreter der Wadenbeißer-Fraktion monieren Rabaukentum und Rassismus, hemmungslosen Kommerz und Medienkult. Die Golfer – nur zum Vergleich – schlagen ihre delikaten Bällchen nur mit Edelbesteck auf grünen Luxusmatten, balgen sich nicht brutal auf Gras und traktieren den Ball nicht vulgär mit den Füßen.


Spielt man den Ball jedoch der anderen Seite, nämlich den fanatischen Anhängern zu, ist im regelmäßigen Abstand von vier Jahren von kollektivem Wahnsinn die Rede, der die gesamte Erdkugel umrundet und vorübergehend vereint. Quer durch alle Gesellschaftsschichten, von Politikern und Intellektuellen über die Künstler, Computerspezialisten und Handwerker bis zu Frauen und Kindern, scheint kaum einer resistent zu sein gegen den fußballerischen Enthusiasmus-Virus. Die Niederlage des eigenen Teams besiegt den verzückten Taumel, um jäh in bierschwere Lethargie oder schnapsbefeuerte Randale umzuschlagen. 

Der rituelle Tanz

der brasilianischen Choreografin Debo­rah Colker polarisiert mit schöner Regelmäßigkeit: Nach ...

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Tanz Mai 2006
Rubrik: Premiere, Seite 4
von Klaus Witzeling

Vergriffen
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