Das Bild und seine Geschichte
Jeden Morgen zwischen Erwachen und Aufwachen regiert das Halbschlafbäckchen. Das Halbschlafbäckchen schuf Blixa Bargeld, Lyriker der legendären Berliner Band Einstürzende Neubauten in den 1980ern, als Butoh, der japanische Tanz der geweißelten Körper, im Schlafanzug durch die Theater huschte. Butoh ist der große Halbschlaf des zeitgenössischen Tanzes: langsam, traumhaft, ohne Dramaturgie und Bedeutung, exotisch wie die Romantik, ökologisch wie Mecklenburg-Vorpommern, die Steiermark, wie Göttingen, dessen Mamu-Zentrum von Tadashi Endo hierzulande zum Urort des Butoh wurde.
So weit weg in der Provinz ist Butoh seither so provinziell, wie er es immer sein wollte. Der legendäre Kazuo Ohno feierte sein letztes Gastspiel in Remscheid. Auf dem fernen Schloss Bröllin zwischen Berlin und der Ostsee zelebrieren japanische und deutsche Künstler konspirative Sommerlager mit kalkweißem Sonnenschutz.
Japaner und Deutsche deshalb, weil sie einander sehr ähnlich sind in Bezug auf ihr Halbschlafbäckchen. Beide träumen viel und gern, während sie nach außen zuverlässig Fleiß und Tugenden wie Ordnung und Pünktlichkeit signalisieren. Ihre Gesellschaften funktionieren so reibungslos, damit der Einzelne ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Temps d' images in Düsseldorf ist Teil eines Festivalzirkus, den man ausnahmsweise ganz positiv so nennen darf. Dieses Wanderfestival stellt tatsächlich die attraktivsten Sensationen aus dem Grenzbereich von Tanz und Bildender Kunst aus. Eine unserer Favoritinnen ist diesmal die in Zürich geborene Nicole Seiler. Sie lässt die Tänzerin YoungSoon Cho Jaquet sich in...
Jirí und Otto Bubenícek sind die Zwillinge des Balletts schlechthin. John Neumeier holte sie 1993 von Prag nach Hamburg. Dreizehn Jahre später versuchten sie es mit getrennten Wegen. Jirí wechselte ans Dresdner SemperOper Ballett, Otto blieb. Jetzt tanzt er den «Orpheus» von John Neumeier. Er sollte die Zweitbesetzung sein. Als sich der Weltstar Roberto Bolle...
Eine Allee mit kugelförmigen Buchsbäumen begrenzt die Bühne und lenkt den Blick in die Tiefe des Raums. Zwischen den Bäumen weisen schmale Schlitze kleine Ausgänge ins Unbekannte. Links trennt eine Wand mit Fenstern den Bühnenraum, eine Frau in klatschmohnrotem Kleid setzt sich mit ihrem Partner in Szene. Elegant schreitet eine zweite Dame im Zeitlupentempo über...
