Das Bild und seine Geschichte
Jeden Morgen zwischen Erwachen und Aufwachen regiert das Halbschlafbäckchen. Das Halbschlafbäckchen schuf Blixa Bargeld, Lyriker der legendären Berliner Band Einstürzende Neubauten in den 1980ern, als Butoh, der japanische Tanz der geweißelten Körper, im Schlafanzug durch die Theater huschte. Butoh ist der große Halbschlaf des zeitgenössischen Tanzes: langsam, traumhaft, ohne Dramaturgie und Bedeutung, exotisch wie die Romantik, ökologisch wie Mecklenburg-Vorpommern, die Steiermark, wie Göttingen, dessen Mamu-Zentrum von Tadashi Endo hierzulande zum Urort des Butoh wurde.
So weit weg in der Provinz ist Butoh seither so provinziell, wie er es immer sein wollte. Der legendäre Kazuo Ohno feierte sein letztes Gastspiel in Remscheid. Auf dem fernen Schloss Bröllin zwischen Berlin und der Ostsee zelebrieren japanische und deutsche Künstler konspirative Sommerlager mit kalkweißem Sonnenschutz.
Japaner und Deutsche deshalb, weil sie einander sehr ähnlich sind in Bezug auf ihr Halbschlafbäckchen. Beide träumen viel und gern, während sie nach außen zuverlässig Fleiß und Tugenden wie Ordnung und Pünktlichkeit signalisieren. Ihre Gesellschaften funktionieren so reibungslos, damit der Einzelne ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ein Ballett mit Untertiteln? Warum nicht? Schließlich ist dieser Peer Gynt nicht auf den Mund gefallen. Im Ballett Heinz Spoerlis leiht ihm Philipp Schepmann schauspielernd immer wieder seine Stimme. Im Film hilft die Schrift allerdings nicht, die Vielschichtigkeit des Versdramas von Henrik Ibsen zu vermitteln. Sich allein auf die Körpersprache zu verlassen, bringt...
Der Horizont scheint unendlich weit. Wie im «Lied von der Erde» von Kenneth MacMillan blaut anfangs die Bühne im Haus der Berliner Festspiele, als wollten die Tänzer das Universum ausschreiten. Doch davon kann in «Egopoint» keine Rede sein, auch wenn ein Alu-Dreieck als zentrales Objekt des Stücks dem Auge Gottes ähnelt. Nadja Saidakova strebt nur insofern höhere...
Brasilien ist längst das gelobte Land für Europas Choreografen geworden. Vor allem in den Favelas schürfen sie gern nach menschlichem Gold. Rachid Ouramdane fand dort Wunschinterpreten, und Storms HipHop-Herz schlägt für die Kompanie Discipulos do ritmo. Nun wurde auch Mourad Merzouki (Kompanie Käfig) an der Copacabana fündig.
Für die Companhia urbana de danza...
