Darmstadt online: Barish Karademir «Ich schaue dich an (je te regarde)»

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Zwar hat das Staatstheater Darmstadt vier Schauspieler und drei Tänzer aufgeboten für eine Inszenierung von Alexandra Badeas 2015 uraufgeführtem Stück «Ich schaue dich an (Je te regarde)», aber dann hat man das siebenfach Leibhaftige doch wegen Corona lieber in eine Konserve gepackt: Entstanden ist ein Film, der auf der Drehbühne des Theaters, aber auch in der Garderobe und vor dem Haus Schauplätze findet, außerdem zum Teil im Frankfurter Flughafen gedreht wurde.

Eine der Figuren in Badeas Stück ist nämlich Sicherheitsbeamter, wie die anderen drei – identifiziert nur mit einer «User Nummer» – verbringt er viel Zeit damit, via Bildschirm zu überwachen, zu kontrollieren und zu belauschen.

«Ich schaue dich an» erzählt also kaum von Begegnungen von Angesicht zu Angesicht, dafür von Einsamkeit und Eifersucht, von Liebe zu und emotionaler Abhängigkeit von anderen, obwohl man sie nur durch den Filter einer Kamera und eines Bildschirms sieht. Abhängigkeit auch von der Maschine, die Gefühle abfragt und daraus einen Glücksquotienten errechnet. Fünf Prozent bloß? Man kann nicht gerade sagen, dass Alexandra Badeas «User» sich wohlfühlen in ihrer Haut.

Für das Staatstheater inszeniert hat der ...

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Tanz August/September 2020
Rubrik: Kritik, Seite 26
von Sylvia Staude

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