darmstadt: mei hong lin «blind date»
Betritt man die Kammerspiele des Staatstheaters, lungern da Tänzerinnen am Bühnenrand und lassen müde Blicke schweifen. Erst später werden sie scharf gestellt und in die immer wieder matt beleuchtete Zuschauermenge gebohrt. Es geht bei «Blind Date» ums Gegenteil von Blindsein: ums Sehen. Ein verzerrtes Sehen.
Die Choreografin Mei Hong Lin will auch mehr als das Date. Sie stellt die Frauen in den Vordergrund. Dabei werden die Männer, die halt kommen und gehen, tendenziell zu Witzfiguren, doch das gibt dem Stück einen Halt. Weil es um die Darstellung von Haltlosigkeit geht.
Zunächst treiben die acht Frauen, von Bjanka Ursulov im Stilmix eingekleidet, einzeln über die Bühne, fassen sich ins Gesicht oder am Fuß oder werfen die Hände aus wie Angeln, ins Leere. Sie winken halbherzig, drücken sich an Wände, hocken da, versunken, oder werden aktionistisch, reißen das Bein hoch neben den Kopf, hüpfen wie Mädchen. Lauter Versuche, die eigene Leere zu meistern, ein Warten zu füllen oder Aufmerksamkeit zu heischen, immer gebremst von einer unbestimmten Angst. Diese großartige Szene balanciert anrührend zwischen dem Komischen und dem Traurigen solcher Einsamkeitszustände und vertraut der ...
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Tanz Juni 2011
Rubrik: kalender, Seite 38
von Melanie Suchy
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Film
Die Performance einer Choreografie ist etwas Flüchtiges, was nur im Moment der Aufführung vollständig existiert und danach nur noch als zerfallende Erinnerung in den Köpfen derjenigen, die der Aufführung beigewohnt haben.
Das Filmen, für gewöhnlich in Form einer Videoaufzeichnung, bildet eine Möglichkeit, das Geschaffene festzuhalten, doch kann ein Film das...
