Climax

Gaspar Noé gilt als Enfant terrible des Kinos. Die Obsession seines neuesten Films ist der tanzende Körper

Tanz - Logo

Mit «Climax» von Regisseur Gaspar Noé kommt der Exzess quasi auf Bestellung. Noé ist berühmt-berüchtigt für die Inszenierung von Gewalt und nicht zuletzt für eine kaum auszuhaltende Vergewaltigungsszene in «Irreversibel». In «Climax» folgt er zwar erneut seinen Lieblingsthemen Sex, Gewalt und Drogen, ordnet sie aber einer anderen Faszination unter: der für tanzende Körper. Den Rhythmus gibt ein hervorragender Retro-Elektro-Soundtrack inklusive Cerrone, Patrick Hernandez und Soft Cell vor.

Statt einer ausgefeilten Story wirft Noé die Zuschauer in eine lange Partynacht, bei der zwei Dutzend professionelle Tänzer miteinander eingeschlossen sind und langsam durchdrehen. Weniger immersiv als in früheren Werken, schlägt Noé einen bewusst selbstironischen Ton an und guckt gleichermaßen empathisch wie belustigt auf junge Erwachsene im Jahr 1996. 

Hyperchoreografiert

Allem voran ist «Climax» ein Ensemblestück. Im Mittelpunkt steht eine Tanzschule, genauer gesagt: Es sind die Körper der Tänzerinnen und Tänzer, für die sich Noé interessiert. Zum Sog und zur Kurzweiligkeit des Films trägt bei, dass diese Körper sich ständig bewegen. Dass sie mal alleine, mal miteinander tanzen, sich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz November 2018
Rubrik: Tanz im Kino, Seite 14
von Frédéric Jaeger

Weitere Beiträge
Arthur Mitchell

Er war der erste dunkelhäutige Star des Balletts, der internationalen Ruhm erlangte – und das ausgerechnet mit dem durchweg «weißen» New York City Ballet. Ihm gehörte Arthur Mitchell von 1955 bis 1968 an – dem Jahr, in dem Martin Luther King Jr. einem Attentat zum Opfer fiel, Amerikas prominentester schwarzer Politiker und Prediger. Ein Ereignis, das Mitchell die...

Ausstellungen 11/18

Windwitches – a living spirit

Manchmal ist es wie verhext. Aber in Deutschland haben die «Vindhäxor», wie die «Windwitches» in ihrer schwedischen Heimat heißen, nie eine Rolle spielen können. Anders in London und New York. Dort war die Dansgruppen, 1977 von Eva Lundqvist gegründet, immer wieder präsent – was insofern kein Zufall ist, als die 1951 geborene...

Tanzausbildung: Hörhilfen

Jan Broeckx, als Leiter der Ballett-Akademie der Hochschule für Musik und Theater München sind Sie für gewöhnlich nicht mit dem Problem der Schwerhörigkeit befasst.  Nein, das nicht. Aber im Sommerkurs habe ich einen dreizehnjährigen, rundum talentierten Jungen erlebt, der in beiden Ohren ein Hörgerät trägt und den Unterricht dennoch problemlos gemeistert hat. 

Wi...