Christian Rizzo «Miramar»

Paris on tour

Der Einfluss von Putins Ukraine-Krieg auf das Tanzschaffen beginnt bei Christian Rizzo: an einem imaginären Strand. Denn «miramar» bedeutet: das Meer anschauen. Einen Ort des Friedens wollte der Leiter des Centre chorégraphique national von Montpellier schaffen. Zum Beispiel: einen Strand, wo Menschen sich öffnen, einander betrachten oder in sich gehen. Auf der Rückwand der Bühne sollte eine Linie den Horizont und dessen Versprechungen darstellen. Doch der ist nun abgrundtief schwarz.

Die Uraufführung fand am zehnten Tag des Kriegs statt, und Rizzo erklärte hinterher, auf der Bühne der Opéra von Lille, dass ihm nur noch Finsternis angemessen erschien. Die verschluckt am Ende alle elf Strandtänzer*innen, bzw. zehn plus eine. Vania Vaneau eröffnet mit einem Solo, agil und fragil, leicht wie kosmische Winde. Die Gruppe verkörpert mal Rizzos strukturelle, mathematische Ader, mal auch seine bemerkenswerte Fähigkeit, die Körper zwischen Erde und Himmel, Absenz und Präsenz jeglicher Definition zu entziehen. Filigran und rezeptiv, wachsam und erwartungsvoll begegnen sie sich untereinander in immer neuen Konstellationen und sich ständig verschiebenden Mondscheinfeldern. Der nächtliche ...

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Tanz April 2022
Rubrik: Kalender, Seite 49
von Thomas Hahn

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