Christian Rizzo «Miramar»

Paris on tour

Der Einfluss von Putins Ukraine-Krieg auf das Tanzschaffen beginnt bei Christian Rizzo: an einem imaginären Strand. Denn «miramar» bedeutet: das Meer anschauen. Einen Ort des Friedens wollte der Leiter des Centre chorégraphique national von Montpellier schaffen. Zum Beispiel: einen Strand, wo Menschen sich öffnen, einander betrachten oder in sich gehen. Auf der Rückwand der Bühne sollte eine Linie den Horizont und dessen Versprechungen darstellen. Doch der ist nun abgrundtief schwarz.

Die Uraufführung fand am zehnten Tag des Kriegs statt, und Rizzo erklärte hinterher, auf der Bühne der Opéra von Lille, dass ihm nur noch Finsternis angemessen erschien. Die verschluckt am Ende alle elf Strandtänzer*innen, bzw. zehn plus eine. Vania Vaneau eröffnet mit einem Solo, agil und fragil, leicht wie kosmische Winde. Die Gruppe verkörpert mal Rizzos strukturelle, mathematische Ader, mal auch seine bemerkenswerte Fähigkeit, die Körper zwischen Erde und Himmel, Absenz und Präsenz jeglicher Definition zu entziehen. Filigran und rezeptiv, wachsam und erwartungsvoll begegnen sie sich untereinander in immer neuen Konstellationen und sich ständig verschiebenden Mondscheinfeldern. Der nächtliche ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz April 2022
Rubrik: Kalender, Seite 49
von Thomas Hahn

Weitere Beiträge
Tanz die Stille

In der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 bombardierten britische Streitkräfte das 630 000 Einwohner zählende Dresden. Der schwerste Luftangriff des Zweiten Weltkriegs, den die Deutschen entfesselt hatten, legte Elbflorenz in Schutt und Asche. 25000 Menschen fanden den Tod. Soweit die Schreckensbilanz des letzten Flächenbrands auf europäischem Boden – für eine...

Termine 4/22

Aachen
Fabrik Stahlbau Strang
 «Asylum», Choreografie von Rami Be’er, Kibbutz Contemporary Dance Company. 1.–3. April Für «Flow» hat sich die Schweizer Cie Linga von Schwarmformationen im Tierreich inspirieren lassen. 7.–10. April www.schrittmacherfestival.de 

Altenburg Theaterzelt Premiere «Impulse», Ballette von Nanine Lining, Ihsan Rustemund Nils Christe. 10.,...

Guido Markowitz, Damian Gmür «Beethoven. Unerhört. Grenzenlos»

«Wir stürzen», steht als Graffiti auf der weißen Mauer im Hintergrund, «Schöpfer Welt» wird zum Schluss dort stehen – zwei (fast) wörtliche Zitate aus der «Ode an die Freude», dem Finale von Ludwig van Beethovens Neunter Sinfonie. Beim Pforzheimer Ballettdirektor Guido Markowitz symbolisiert die berühmte Musik das «Einreißen von Mauern». Der große Chor aber, die...