Chris Haring: «Posing Project B – the Art of Seduction»

Wien

Tanz - Logo

Hübsch ist «sie» und posiert im weißen Dress an der hinteren Bühnenwand. Leise Klaviermusik von Erik Satie. Freundliches Lachen. Sie reckt sich und streckt sich ein bisschen, ändert die Position, um noch besser dazustehen. Macht «Hahaha». Wie beim ersten Mal. Positionswechsel. «Hahaha». Inzwischen eher ein rhythmisches Hacken als freundliches Lachen. Am Kleid zupfen. «Hahaha». Stakkato-Dauerlachen. «Hahaha». Pause. «Haha …». Plötzlicher Aussetzer, eine Zehntelsekunde, als handele es sich um einen kurzen, kaum wahrnehmbaren Ausfall des Innenohrs.

Dann kracht wieder das dreifache «Hahaha» hervor.
Auf dem Weg zur Maschinengewehrsalve erinnert das Geräusch ein letztes Mal an eine menschliche Lautäußerung. Satie perlt weiter, die Schöne bellt «Hahaha». Das Lachen hat sich endgültig von ihrer Person verabschiedet. Stattdessen versucht «er», die Geschichte einer erotischen Begegnung zu erzählen, doch immer wieder und mehr entgleitet ihm die Stimme. Als ob man ein Band unendlich langsam abspielt, wird die Stimme schief und kurvig; die akustischen Bögen, die das Organ schlägt, infizieren den Körper, der sich biegt und schließlich wie eine Carrerabahn durch den Raum kurvt.  Der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz August/September 2007
Rubrik: Der Kalender, Seite 86
von Elisabeth Nehring

Vergriffen
Weitere Beiträge
Trisha Brown

Trisha Brown,
you’ve just presented a choreography for dancers and Japanese robots at Montpellier Danse, and I was surprised when you suddenly appeared on stage in the last part of “I Love my Robots.” You didn’t tell anyone you were going to do it. I’m a little surprised, too. You know, my partners in the production tricked me! They asked me to stand on the stage...

Zu Fuss

Der menschliche Fuß ist ein architektonisches Kunstwerk. Wer diese geniale Schöpfung seiner filigranen Brücken- und Bogenstruktur auch immer erdacht hat, sie wurde nicht für die Reglosigkeit erfunden. 26 Knochen, 32 Gelenke, 23 Muskeln und ein Geflecht aus zig elastischen Bändern bieten ein hochdifferenziertes Gebilde für Balance und Stabilität, für schnelle...

Kann man Choreografieren lernen?

Für den Choreografen heißt es wie für den Schriftsteller: Wenn du das Alphabet beherrschst und die Worte deiner Sprache, dann vielleicht. Und wie es zum Schreiben an den Unis längst hunderte Kurse gibt, gern und harmlos «Kreatives Schreiben» genannt, soll es nun zunehmend universitätsgesteuerte Ausbildungen zur Choreografie geben: Damit werden zwei Hoffnungen...