Cherkaoui und Uotinen zeigen «Stravinsky»
Die beiden Bäume scheinen sich gleich, aber sie unterscheiden sich. Der linke ist voll von Menschen, die sich schlaftrunken die Hände reichen. Den rechten «bewohnt» eine Frau, Gudrun Bojesen, die hellwach in einem Buch blättert. Jeder lebt für sich. Während Gudrun Bojesen noch den Nachbarn Beifall klatscht, seilen sich die ersten vom Stamm und tasten sich, die Augen verbunden, hinein in den Raum, den Rikke Juellund wie ein Eiland ausgestattet hat: ein Prozess der schritthaften Annäherung, zugleich eine Konfliktsituation. Nicht umsonst liegt eine Kreissäge griffbereit.
«L'Homme de bois» nennt Sidi Larbi Cherkaoui seine Choreografie, die in doppelter Weise eine Herausforderung darstellt: Zum ersten Mal arbeitet der Belgier marokkanischer Herkunft mit einer klassischen Kompanie und zu einer vorgegebenen Musik. «Stravinsky» heißt der Doppelabend des Königlich Dänischen Balletts. Er konfrontiert im Kopenhagener Opernhaus einen neuen «Sacre du printemps» von Jorma Uotinen mit einer «Pulcinella»-Interpretation Cherkaouis, die nichts oder nur sehr wenig von Commedia dell'Arte ahnen lässt. Jean-Lucien Massot, der zunächst unbemerkt an der Bühnenrampe schlummert, trägt eine weiße Maske. Auch ...
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Der Biss ins Ohr
Der erste Kontakt mit Hijikata war selten einfach. Er konnte recht barsch sein, bevor er jemandem sein Herz und seine Tür öffnete, obwohl er andererseits sein Haus nie verschloss. Ich begegnete Hijikata in einer Bar im Szeneviertel Shinjuku, einem Künstlertreff, in dem er sich mit seinen langen Haaren gern bewundern ließ und um Ratschläge gebeten...
Jeder Choreograf, kaum einer ausgenommen, ist in seinem Leben einmal Tänzer gewesen. Warum haben Sie die Fronten gewechselt? Was gab den Ausschlag, Choreograf zu werden? Dazu muss ich etwas ausholen. Schon mit sieben habe ich meine Ballettausbildung am Konservatorium meiner Heimatstadt Tours begonnen, das damals noch einen Draht zum Theater hatte. Mit zehn war ich...
Unlängst Forsythe, gestern Wheeldon, heute die «Corsaire»-Rekonstruktion am Bolshoi. Planen Sie eigentlich in Etappen? Wir versuchen es, aber hier muss man immer noch sehr flexibel sein. Die Strukturen sind inzwischen viel besser, aber noch immer geschieht nicht alles so, wie man es sich wünscht.
Gilt das auch für Ihre zurückliegenden drei Jahre als Ballettchef des...
