Cherkaoui und Uotinen zeigen «Stravinsky»
Die beiden Bäume scheinen sich gleich, aber sie unterscheiden sich. Der linke ist voll von Menschen, die sich schlaftrunken die Hände reichen. Den rechten «bewohnt» eine Frau, Gudrun Bojesen, die hellwach in einem Buch blättert. Jeder lebt für sich. Während Gudrun Bojesen noch den Nachbarn Beifall klatscht, seilen sich die ersten vom Stamm und tasten sich, die Augen verbunden, hinein in den Raum, den Rikke Juellund wie ein Eiland ausgestattet hat: ein Prozess der schritthaften Annäherung, zugleich eine Konfliktsituation. Nicht umsonst liegt eine Kreissäge griffbereit.
«L'Homme de bois» nennt Sidi Larbi Cherkaoui seine Choreografie, die in doppelter Weise eine Herausforderung darstellt: Zum ersten Mal arbeitet der Belgier marokkanischer Herkunft mit einer klassischen Kompanie und zu einer vorgegebenen Musik. «Stravinsky» heißt der Doppelabend des Königlich Dänischen Balletts. Er konfrontiert im Kopenhagener Opernhaus einen neuen «Sacre du printemps» von Jorma Uotinen mit einer «Pulcinella»-Interpretation Cherkaouis, die nichts oder nur sehr wenig von Commedia dell'Arte ahnen lässt. Jean-Lucien Massot, der zunächst unbemerkt an der Bühnenrampe schlummert, trägt eine weiße Maske. Auch ...
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