CD des Monats
Schwer vorzustellen, dass eine Mary Wigman einst ihrem ersten «Totentanz» ausgerechnet Orchestermusik von Camille Saint-Saëns unterlegt hat. Irgendwie passt das nicht zusammen, wiewohl der französische Komponist seine «Danse macabre» so suggestiv in Töne gesetzt hat, dass dabei nicht nur die Knochen klappern. Im Grunde ist sein Opus 40 ein klassisches Violinkonzert, selbst wenn es nicht mal ansatzweise eine ganze Geisterstunde dauert.
Andrew Wan ist der Solist dieser Einspielung, und er holt aus seiner Fiedel so fahle Klänge heraus, als wär’ er Gevatter Tod persönlich. Kent Nagano dirigiert das Orchestre symphonique de Montréal, und der Generalmusikdirektor der Hamburgischen Staatsoper achtet darauf, dass auch bei diesem Totentanz der Hahnenschrei der Oboe zum richtigen Zeitpunkt erfolgt.
Ganz ähnlich bei «L’apprenti sorcier» von Paul Dukas. Auch hier lässt Nagano das Scherzo enden, bevor es den «Zauberlehrling» ins Uferlose mitreißt: ein magisches Stück Musik, das sich ebenso gut in einen makabren Musik-Kontext reiht. Von der «Mittagshexe» Antonin Dvoráks über «Eine Nacht auf dem kahlen Berge» von Modest Mussorgsky, die selten gehörte «Tamara» von Mili Balakirew und «Hallowe’en» ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
«The Red Shoes» (1948) des Filmemacher-Duos Michael Powell und Emeric Pressburger gilt noch immer als der wirkungsvollste Tanzfilm aller Zeiten. Generationen von jungen Leuten hat er dazu bewegt, eine Ballettkarriere anzustreben. Inzwischen besitzt der Film freilich auch dokumentarische Qualität, gewährt er doch Einblicke nicht nur in die leicht schäbigen...
Der berufliche Tanz ist nicht unbedingt der private. Wenn ich nach einer Vorstellung die Möglichkeit zum Tanzen vorfinde, denke ich manchmal: «Danke, hab ja schon.» Als noch die Sonne schien, verspürte ich auf einer Marathonveranstaltung beim Dortmunder Festival «Favoriten» nach zwölf Stunden Dauertanz nur noch einen Wunsch: mit dem Rollstuhl an eine Bar gebracht...
Tanzschaffende sehen sich gerne als diejenigen Kunstakteure, die am intensivsten inter- und transdisziplinär arbeiten. Sie versprechen die Überwindung von Genregrenzen und wollen darüber hinaus Modelle für trans- oder postnationale Gesellschaften vorstellen. Programmverantwortliche und Kuratoren wittern im Tanz daneben die Chance, eine Symbiose von U- und E-, von...
