Carolyn Carlson: «If to Leave is to Remember»
Carolyn Carlson: Entschuldigen Sie die Verspätung, ich war gerade so richtig mitgerissen von meinem Improvisationskurs. Das Thema war «blind sein». Was da zwischen den Tänzern abging, war unglaublich spannend.
Ich wollte Sie genau danach fragen, denn Sie haben oft zu Jazz mit Joachim Kühn improvisiert. Was bedeutet Ihnen Improvisation heute? Sie ist noch immer die Grundlage meiner Technik. Ich suche gern gemeinsam nach Ideen mit den Leuten, mit denen ich zusammenarbeite. Ich organisiere Events und tanze.
Das hängt mit der Zen-Philosophie zusammen, die auf absoluter Erfahrung des Augenblicks beruht. Und darum geht es im Tanz. Bereit sein für jeden neuen Augenblick, damit sich unvorhergesehene Möglichkeiten auftun. Jeder darf sein Glück versuchen. Aber mit der Zeit löse ich mich von dieser Idee, denn die Leute haben dieses Klischee im Kopf, wo ein Guru unter einem Baum sitzt und Wolken anstarrt.
Wie lief die Arbeit für «If to Leave is to Remember», Ihr neues Stück mit dem balletttheater münchen? Die Grundidee ist die Trennung von der Mutter, dem Zuhause, dem Leben. Wir alle trennen uns von etwas, das ist ein normaler Vorgang. Der Titel stammt aus einem Gedicht, das ich schrieb, als ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Warum verstümmeln kleine Mädchen ihre Barbie-Puppen? Da sind sie neun, zehn oder elf Jahre jung und enthaupten ihre einstigen Lieblinge. Oder bringen sie in der Mikrowelle zum Schmelzen. Innige Zuneigung verwandelt sich in Grausamkeit, wohl gerade, weil die Mädchen zu spüren beginnen, was die Gesellschaft von ihnen erwartet: dass sie selbst zu Barbie-Puppen werden...
Der Solist der Ballets Jooss starb am 24. September, wenige Tage vor seinem 82. Geburtstag – bis dato noch immer aktiv in seinem Centro de Danza Espiral in Santiago de Chile. Er leitete das Nationalballett Chile, bevor er 1972 in die DDR emigrierte und zehn Jahre lang als Dozent und Choreograf der Palucca Schule Dresden arbeitete. Dort inspirierte er viele...
Furcht vor der eigenen Fantasie wäre das letzte, was man Marco Goecke vorhalten möchte. Und wenn schon. Der neue Haus-Choreograf des Stuttgarter Balletts würde sicher entgegnen: «Wenn man viel Angst hat, hat man auch viel Mut!» – und eintauchen in seine Welt, auch auf die Gefahr hin, sich darin völlig zu verlieren. «Ich will mich überraschen lassen», sagt der...
