buch: ballett heute
Blindlings irgendwo aufgeschlagen, schon hypnotisiert eine Doppelansicht den Blick: Ein Mannweib – das Karo-Kostüm so feuerrot wie die Haare – reckt triumphierend die Faust mit der vermaledeiten Spindel empor, während daneben die Schönste der Schönen das bebende Füßlein gerade noch strecken kann, eine Atemlänge vom hundertjährigen Scheintod entfernt. Das Großartige an «Ballett heute», dem Bildband, den die Fotografin Bettina Stöß und der Tanzpublizist Klaus Kieser verantworten, lässt sich schon an diesen «Dornröschen»- Aufnahmen erkennen.
Über 19 Fotostrecken hinweg, denen je ein kurzer Essay über das Werk vorangeht, ist es die Dynamik des Augenblicks, in die der Leser regelrecht hinein strudelt. Egal, wo er hinblättert – überall empfangen ihn optische Miniaturen, die aus der Artenvielfalt des Tanzes je eine Spielart heraus greifen. Wie prachtvoll und elastisch, wie spektakulär und intim die Tanzkunst der Gegenwart ihre Dramaturgien ausbuchstabiert, verraten nicht nur geometrische «Schwanensee»-Fraktale oder die schopfwuschelnden Menschenraupen einer Pina Bausch, sondern genauso Hans van Manens barometerähnlich auf und ab wippende Arabesquen («Compositie») – über die Christian ...
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Tanz November 2012
Rubrik: medien, Seite 62
von Dorion Weickmann
Dave St-Pierre, Sie haben in diesem Jahr zwei Stücke praktisch gleichzeitig kreiert, und zwar auch noch in völlig verschiedenartigen künstlerischen und ästhetischen Welten: «Cirkopolis» mit Cirque Éloize und eine «Création 2012» für Ihre eigene Kompanie. Dieses Tanztheater-Fresko zu Liebe, Sexualität und Neurosen hat noch keinen Titel, ist aber schon auf Tournee.
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Was sagen uns diese alten Fotos? Sie sind das, was vom Tanz der Vergangenheit noch sichtbar ist. Sie lassen uns hoffen, das Bild zurückliegender Tanzjahrzehnte in die Gegenwart transportieren zu können. «Das Bild» gibt es natürlich nicht. Es sind unzählige Bilder, von denen einige recht berühmt wurden, zusammen mit den abgebildeten Tänzern. Außerdem solche, deren...
«Die Uhr ist der Choreograf», sagt William Kentridge. Und spricht zwei Ebenen an: Die Jetztzeit des Bühnengeschehens und die Geschichte als Arrangeur neuer Epochen. Gerade erst ist die Kasseler «documenta 13» zu Ende gegangen, auf der Kentridges Installation «The Refusal of Time» Furore machte. Jetzt legt er eine Kammeroper nach: «Refuse the Hour», eine szenische,...
