buch: ballett heute

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Blindlings irgendwo aufgeschlagen, schon hypnotisiert eine Doppelansicht den Blick: Ein Mannweib – das Karo-Kostüm so feuerrot wie die Haare – reckt triumphierend die Faust mit der vermaledeiten Spindel empor, während daneben die Schönste der Schönen das bebende Füßlein gerade noch strecken kann, eine Atemlänge vom hundertjährigen Scheintod entfernt. Das Großartige an «Ballett heute», dem Bildband, den die Fotografin Bettina Stöß und der Tanzpublizist Klaus Kieser verantworten, lässt sich schon an diesen «Dornröschen»- Aufnahmen erkennen.

Über 19 Fotostrecken hinweg, denen je ein kurzer Essay über das Werk vorangeht, ist es die Dynamik des Augenblicks, in die der Leser regelrecht hinein strudelt. Egal, wo er hinblättert – überall empfangen ihn optische Miniaturen, die aus der Artenvielfalt des Tanzes je eine Spielart heraus greifen. Wie prachtvoll und elastisch, wie spektakulär und intim die Tanzkunst der Gegenwart ihre Dramaturgien ausbuchstabiert, verraten nicht nur geometrische «Schwanensee»-Fraktale oder die schopfwuschelnden Menschenraupen einer Pina Bausch, sondern genauso Hans van Manens barometerähnlich auf und ab wippende Arabesquen («Compositie») – über die Christian ...

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Tanz November 2012
Rubrik: medien, Seite 62
von Dorion Weickmann

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