Li Ximin, Foto: Thomas Müller
Brüssel: Wen Hui «Red»
Eine Leinwand wie im Kino. Auch wenn der Vorhang noch geschlossen ist, erkennt man durch den roten Stoff bereits die Umrisse eines Plakats, mit dem einst die Filmversion des Balletts «Das Rote Frauenbataillon» beworben wurde. Davor die vier Protagonistinnen des Abends, die Hände scheinbar gebunden oder zu drohenden Fäusten geballt: Gesten, zu Posen erstarrt, in denen sich schon im Original vor mehr als fünfzig Jahren die Aussagekraft der Choreografie verfestigt hat.
Wie in einem Lehrbuch der Geschichte blättert Wen Hui wenig später in den Gedanken aller Beteiligten. Doch nicht nur Jiang Fan, Li Xinmin, Liu Zhuying und sie selbst kommen in «Red» zu Wort. In ihrem dokumentarischen Tanzstück lässt die Direktorin des Living Dance Studio Beijing in eingeblendeten Interviews auch ehemalige Tänzer und Tänzerinnen in Erinnerungen schwelgen – kritisch kontrapunktiert durch eingeblendete Aussagen ganz unterschiedlicher Provenienz, die das populärste der acht «Revolutionären Modelltheaterstücke» am Ende noch aussagekräftiger machen, als es das Autorenkollektiv ursprünglich wohl beabsichtigt hat. So spricht einer der Augenzeugen einmal von der «schuldhaften Freude der Zuschauer» und meint ...
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Tanz Oktober 2017
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 43
von Hartmut Regitz
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