brüssel: eva meyer-keller «cooking catastrophes»
Hier ein Rütteln, da ein Flämmchen, dort ein Schwall Flüssigkeit von oben – und alles ist überschwemmt. Die Welt geht unter. Etwas verkokelt, zerbricht, wird unterspült. Für den partiellen Weltuntergang gibt es viele Ansätze und Methoden, und allen sieht man in diesem Fall gleich gern zu.
Eva Meyer-Keller, Sybille Müller und ihr Team tischen buchstäblich Katastrophen auf. Bei der performativen Installation der beiden Tanz- und Medienkünstlerinnen aus Berlin sitzen die Zuschauer um mehrere Tische herum, Bestecke und Servietten fehlen (noch).
«Cooking Catastrophes» werden im gekachelten Foyer von PACT Zollverein in Essen angerichtet, wo die deutsche Erstaufführung stattfindet. An zwei gefliesten Wänden klebt eine beachtliche Kollektion gleichgroßer Fotos, beschriftet und in Blöcken angeordnet, säuberlich nach Katas-trophenarten sortiert: hier natürliches, dort menschengemachtes Unglück. Man erkennt sie alle wieder: die Bilder aus New Orleans, New York, Japan, so kleinformatig, dass man lange hinstarren muss, um noch mal den Schrecken bestimmter Katastrophen zu erahnen oder sich an die Nachrichten zu erinnern. Mit dieser Distanzierung arbeitet die Performance. Natürlich hat sie einen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Juni 2012
Rubrik: kalender, Seite 50
von Melanie Suchy
Saartje Baartman erfreut sich plötzlich größter Beliebtheit. Zwei Jahrhunderte nachdem sie in ihrer Heimat versklavt, nach Europa verschleppt, dort als Monstrum ausgestellt, zur Prostitution gezwungen, mit nur 26 Jahren in den Tod getrieben und schließlich aus «wissenschaftlichem» Interesse seziert wurde, findet die Südafrikanerin heute vor allem bei...
Wenn zeitgenössische Tänzer in Choreografien ihre Stimmen einsetzen, dann wird dabei eher selten gesungen. Vielleicht hat sich der kanadische Choreograf Benoît Lachambre mit dem Cullberg-Ballett gerade deshalb aufs Gesangliche verlegt und Janis Joplins Reibeisen-Organ auf sämtliche Tänzer des Ensembles umgelegt. «JJ‘s Voices» heißt das Stück, das er auf Einladung...
Hätte der Fälscher Wolfgang Beltracchi, unlängst wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt, nicht den Gemäldefundus der Moderne geplündert, indem er das Œuvre eminenter Leinwandkünstler eigenmächtig fortschrieb, um mit den Simulacra ordentlich Reibach zu machen, wäre er vermutlich sogar in den Genuss einer Museumshängung gekommen. Eine...
