brügge: tero saarinen «vox balaenae»
George Crumbs 1971 entstandene Komposition «Vox Balaenae» ist kein Öko-Manifest, sondern reine Kunst. Wohl geht das Werk für Piano, Cello und Flöte auf den Gesang der Wale zurück, aber Umweltprobleme waren vor 40 Jahren noch kein Thema für die zeitgenössische Kunst. Heute jedoch steht das Verhältnis von Mensch und Natur auch bei vielen Choreografen im Fokus. Michèle Noiret aus Brüssel setzt sich für die Bienen ein, Daniel Larrieu und Mette Ingvartsen tun es fürs Packeis. Mourad Merzouki, Carolyn Carlson und Robyn Orlin haben dem Wasser eigene Stücke gewidmet.
Und Tero Saarinen stellte unlängst auf dem Helsinki-Festival die endgültige Fassung von «Vox Balaenae» vor – ein spektakulär inszeniertes Solo, so gut wie das inzwischen nachgerade klassisch gewordene «Hunt» (2002). Spielt dieser Jagdopfer-Auftritt zu Strawinskys «Sacre» im Wald, so siedelt «Vox Balaenae» in einer Art Zwischenreich und passt perfekt in eine Stadt wie Helsinki, wo See und Urbanismus sich unmittelbar verzahnen.
Denn Saarinen konstruiert ein Dreiecksverhältnis zwischen Kunst, Natur und Stadtmensch. Den spielt er selbst, und zwar in einem erstaunlichen Gewand, schillernd und symbolisch zugleich. Der Schnitt seines ...
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Tanz Dezember 2012
Rubrik: kalender und kritik, Seite 48
von Thomas Hahn
Als George Balanchine 1947 seine «Sinfonie in C» mit dem Ballett der Pariser Oper einstudierte, funkelten noch Lüster aus Kristall über der Szene. «Le palais de cristal» lautete denn auch der Originaltitel dieser furiosen Hommage an Bizets Jugendsinfonie in C-Dur, die nach New York übernommen wurde und dabei ihren endgültigen Namen erhielt. Wer sich an eine neue...
der lehrer_________
thomas hauert
Sie sind seit Kurzem Valeska-Gert-Gastprofessor an der Freien Universität Berlin. Wie werden Sie mit den Studierenden der Tanzwissenschaft arbeiten? Wie immer fange ich mit Einzelübungen an. Ich rede zunächst über die Gelenke, den Ort zwischen zwei Knochen, der Bewegung erst ermöglicht. Wir beginnen mit der Wirbelsäule, einer...
Es war ein Leben für den Tanz, auch. Zumindest für die Sturm-und-Drang-Phase Hans Werner Henzes gilt dieser Satz uneingeschränkt. Wie kein anderer deutscher Komponist nach dem Zweiten Weltkrieg hat Henze für das Ballett komponiert, und für einige Jahre tat er das mit einer solchen Leidenschaft, dass man hätte meinen können, er wolle es seinem Vorbild der frühen...
