Foto: Anne van Aerschot
Brügge: Anne Teresa de Keersmaeker «Mitten wir im Leben sind / Bach6Cellosuiten»
Die Pistole am Hals des völlig verschreckten Mädchens – das Bild bleibt unauslöschlich im Kopf derer, die im August 1988 das Geiseldrama von Gladbeck verfolgten. Es wird zum Synonym für die Stadt im Pott. 29 Jahre später bei der «Ruhrtriennale» ist ein unglaubliches Gegenprogramm zu erleben. Das empfindet man zumindest als Zugereister so, überrascht von der üppig grünenden Bürgeridylle. Dann geht auch noch die Sonne unter als rotgoldener Ball über Johann Sebastian Bachs Cello-Suiten vor den geöffneten Fenstern der Maschinenhalle Zweckel.
Die Natur spielt mit an einem Abend, der geeignet ist, jedes traumatische Bild wegzuwischen, ja mehr noch: als Erleuchtung wahrgenommen zu werden.
Die Beleuchtung, diese von Luc Schaltin erlesen ausbalancierte Melange aus verdämmerndem Tages- und meisterlich hochgefahrenem Scheinwerferlicht, schafft jene spirituelle Atmosphäre, in der man geneigt ist, den Zweckbau tatsächlich für eine Kathedrale der Neuzeit zu halten. «Mitten wir im Leben sind/ Bach6Cellosuiten», gespielt von Jean-Guihen Queyras, choreografiert von Anne Teresa De Keersmaeker, das sind tatsächlich zwei Stunden Gedanken- und Formenklarheit im Zwielicht, wie sie luzider nicht sein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Oktober 2017
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 42
von Eva-Elisabeth Fischer
Als Leiter des Bayerischen Juniorballetts geben Sie bei der «euro- scene Leipzig» einen Workshop zum «Triadischen Ballett». Wie wird er aufgebaut sein? Der Workshop ist für Amateure und semi-professionelle Tänzer, also habe ich drei Tänze ausgewählt, die leicht zugänglich sind: den «Hampelmann», die «Spirale» und die «goldenen Kugeln». Dabei geht es unter anderem...
Newcomer: Volmir Cordeiro
Wie wäre der Blick zu tanzen? Das ist die Frage hinter dem Quartett «The eye the mouth and the rest» des 30-jährigen Brasilianers Volmir Cordeiro. «Was mich wirklich interessiert, ist der Moment, in dem das gegenseitige Sich-Anschauen zu einer Art respektlosem Akt wird», sagt er. Auf der Bühne zusammen mit Marcela Santander Corvalán,...
Die «Weltpremiere» dieses Tanzwerks fand im September statt, zur Eröffnung der Berliner Volksbühne auf dem Tempelhofer Feld. Die «Uraufführung» erfolgte deutlich früher, Mitte Juli, bei dem auf Großproduktionen spezialisierten «Manchester International Festival» in einer ehemaligen Industriehalle. In Englands Norden hatte der neue Tanzbereichsleiter der Volksbühne...
