Brillant
Maria Callas und Mikhail Baryshnikov waren für die Hauptrollen in Richard Strauss’ «Josephs Legende» mit dem Ballett der Wiener Staatsoper vorgesehen, als ich das Angebot ablehnte, das Werk zu choreografieren. Dann habe ich es mir anders überlegt. Zunächst als Gefallen für einen österreichischen Schauspieler, in den ich verliebt war, nahm ich die Herausforderung an – aber zu meinen eigenen Bedingungen. Das bedeutete, ohne Callas, ohne Baryshnikov – stattdessen mit einem jungen Tänzer aus meinem eigenen Hamburg Ballett, dem 21-jährigen Kevin Haigen.
Und – für manche eine radikale und von daher maximal schockierende Entscheidung – mit dem außergewöhnlichen Star des Alvin Ailey American Dance Theater, den Katherine Dunham «die Göttin und Hohepriesterin des Tanzes» genannt hatte: Judith Jamison.
Das Strauss-Ballett, das 1914 kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs an der Pariser Oper uraufgeführt wurde, galt immer als seiner Zeit nicht gewachsen. Von Anfang an schien es eine große Diskrepanz zwischen dem geradlinigen biblischen Thema und der üppigen musikalischen Komposition zu geben. Ich hatte schon Jahre zuvor, zu Beginn meiner Zeit als Ballettdirektor in Hamburg, dem ...
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Tanz Januar 2025
Rubrik: Menschen, Seite 26
von John Neumeier
TANZTRIPTYCHON
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