Brief aus Dar es Salaam
Eine hochgewachsene Frau weht herein, im bodenlangen roten Rock, geschäftig mit einem Blechtopf hantierend. Sie besorgt den Haushalt in der Kargheit der Bühne, die von einem asymmetrischen, weißen Trapez abgeschlossen wird. Das allein erzeugt ein Ungleichgewicht im Raum, eine Spannung. Die Frau ist gar keine: Sie wird gespielt vom Choreografen Jonas Byaruhanga. Vier Tänzer kommen hinzu, in helle Tücher gehüllt, die sie muschelgleich aufklaffen lassen, als würde die Haut um ihre Körper geöffnet: Vorschau auf Kommendes.
Denn in «Scars of Innocence» des ugandischen Keiga Dance Theatre geht es um die Beschneidung von Frauen, eine weit verbreitete Praxis in Afrika, auch im Norden Ugandas, wo die Tänzer für ihr Stück recherchierten. Es ist ein blutiger Brauch, der die Reinheit der Frauen gewährleisten soll. Drei Millionen sind jährlich davon bedroht. Die Tänzer üben Kritik an diesen Traditionen, auf dem neuen Festival «Visa 2 Dance» im tansanischen Dar es Salaam.
In assoziationsreichen Bildern, die nichts beschönigen, entwerfen sie eine Dorfgemeinschaft, die unveränderlichen Regeln folgt. Sie sind junge Männer mit schweißglänzenden Muskeln und starker Gebärde, die sich in rituellen ...
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Schwer zu sagen, was Choreografen immer wieder dazu treibt, sich mit «Schwanensee» zu beschäftigen. Ist es der Mythos, der die Menschwerdung als Metamorphose erklärt? Ist es die Geschichte eines Stücks, das am Anfang zum Scheitern verurteilt schien? Ist es die Musik Tschaikowskys, die dem Ballett eine sinfonische Größenordnung erlaubt, die es zuvor nicht besessen...
Roberto Bolle sei in seiner Zeit an der Ballettschule der Mailänder Scala ein sehr introvertierter, einsamer Junge gewesen. Er habe sich in den verwinkelten Räumen des Theaters geheime Plätze gesucht, um allein für sich zu trainieren, zu träumen und sich selbst zu Tränen zu rühren. Er verrät das in einem neuen Bildband, «Roberto Bolle – An Ath-lete in Tights», und...
Eine Allee mit kugelförmigen Buchsbäumen begrenzt die Bühne und lenkt den Blick in die Tiefe des Raums. Zwischen den Bäumen weisen schmale Schlitze kleine Ausgänge ins Unbekannte. Links trennt eine Wand mit Fenstern den Bühnenraum, eine Frau in klatschmohnrotem Kleid setzt sich mit ihrem Partner in Szene. Elegant schreitet eine zweite Dame im Zeitlupentempo über...
