Bridget Breiner «Das Mädchen & der Nussknacker»
Bereits ihre «Cinderella» hatte Bridget Breiner unter dem Titel «Ruß» unter amerikanische Kohlearbeiter versetzt, und jetzt ruiniert die Karlsruher Ballettchefin binnen einer Viertelstunde das Weihnachtsfest der jungen Heldin Clara Marie (Sara Zinna), indem ihre Familie durch die Weltwirtschaftskrise der 1920er- Jahre verarmt. Alles muss raus, selbst die Spielsachen der Kinder kommen unter den Hammer.
Kein Wunder, dass sich das verstörte Mädchen durch eine gruselige Mäusekampfszene in ein Wolkenkuckucksheim wie aus den Dream-Ballet-Szenen der Hollywood-Musicals träumt (Jürgen Franz Kirner schuf die fantasievolle, aufwendige Ausstattung). Dorthin spiegelt Breiner nun das traumatische Weihnachtsfest, denn jede Figur des Mädchentraums geht aus dem zuvor Erlebten hervor – der gierige Auktionator wird zum Mäusekönig, aus dem Riesenkopf des Nussknackers schält sich der liebenswerte Nachbarsjunge und wird zum romantischen Prinzen, ein Spielzeugfigürchen schließlich mutiert zu einem riesigen, blaugeflügelten Pegasus, getragen von den «Vier Winden», die wunderbar genderfluid in ihren Eisröcken die Schneeflocken ergänzen. Für Diversity im Divertissement sorgen auch die Zinnsoldatinnen auf ...
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Tanz Januar 2024
Rubrik: Kalender, Seite 40
von Angela Reinhardt
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