Bonbon
Die meisten deutschen Tanzdirektoren sind froh, wenn sie zwei, drei Uraufführungen pro Spielzeit in Auftrag geben können – Eric Gauthier packt mal eben zehn in einen Abend, und dabei sind durchaus einige Hochkaräter der choreografischen Zunft am Start.
Zum 40-jährigen Jubiläum des Stuttgarter Theaterhauses, dessen Tanzsparte einst Ismael Ivo begründet hatte und wo – diese Stadt kann einfach nie genug Tanz kriegen – die zwei Gauthier-Compagnien inzwischen zu den wichtigsten Kassenschlagern geworden sind, zündete der Kanadier im April 2025 mit «The FireWorks Project» einen seiner Konzeptabende, der jetzt wieder aufgenommen wird. Das verbindende Thema ist in diesem Fall Musik von Künstlern, die seit der Gründung im Theaterhaus aufgetreten sind. Die Choreografen wählten Werke von Philip Glass bis Mercedes Sosa, von Laurie Anderson bis zu legendären Jazz-Größen.
Wo Ballett andernorts als 50-jährige Heiligenverehrung zelebriert wird, da findet Gauthier immer wieder Künstler, die gerne mal ein Augenzwinkern einwerfen: Barak Marshall etwa (tanz 1/25), der inzwischen dritte von vier Hauschoreografen, liebt den absurden, trockenen Humor. Zu lauten Balkan-Beats schuf er mit «The Gathering» ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Januar 2026
Rubrik: Produktionen, Seite 6
von Angela Reinhardt
Die Ausstellung «Whispers of Japan» des Schweizer Künstlers Luciano Castelli entfaltet sich wie eine Performance und hat so gesehen wenig mit konventionellen Expositionen in Galerieräumen zu tun. Die Kulturstiftung Basel H. Geiger arrangiert Gemälde, Skulpturen, Fotografie und Film zu einem stimmungsvollen Ensemble, das den Charakter einer Choreografie in Slow...
Das Maurice-Ravel-Jubiläumsjahr 2025 ist vorbei, aber immer noch erklingt regelmäßig der orgiastisch aufschwingende «Boléro» des französischen Moderne-Wegbereiters. Auch bei der Uraufführung von «Stripping Bolero» im Hamburger Produktionshaus Kampnagel, als durchaus explizit lesbares erotisches Zeichen. Wobei der postmoderne Ansatz des Hamburg-Münchner...
Igor Strawinskys Tanzkantate «Les Noces» mit ihrer archaischen Urgewalt ist der Ausgangspunkt von Angelin Preljocajs gleichnamiger Choreografie von 1989, die eine russische Bauernhochzeit neu deutet als Inbesitznahme der Frau durch Zwangsverheiratung. Die Energie der perkussiv hämmernden Musik pulsiert durch die Körper und die weiten, raumgreifenden Bewegungen der...
