Bolshoi: «Coppélia»
Es ist die exakt achte Ballettversion von Léo Delibes’ «Coppélia» am Bolshoi seit 1882, als das französische Ballett in der Inszenierung von Joseph Hansen zum ersten Mal nach Moskau kam. E.T.A. Hoffmanns Mädchen mit den Glasaugen wurde seitdem von Alexander Gorsky gepflegt und nun über Bord geworfen zugunsten einer Neuinszenierung des Petersburger Choreografen Sergei Vikharyev.
Er rekonstruierte mit Hilfe des Sergeyev-Archivs der Theatersammlung der Harvard-Universität die Originalversion so genau, wie er am Mariinsky bereits «Dornröschen», «La Bayadère» und «Frühlingserwachen» sowie am Akademischen Theater von Novosibirsk «Don Quixote» und – eben – «Coppélia» 2001 reanimierte. Doch die Wiederbelebung der schönen mechanischen Puppe nach Marius Petipa und Enrico Cecchetti für die Hauptstadt gelingt nur zur Hälfte, trotz eindrucksvoller, sehr üppiger historischer Kostüme nach alten Entwürfen im Stil des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts mit langen, mehrlagigen Tuniken samt Schnürung im Rücken und Perücken obendrauf. Die meisten der mageren, kleinen, flachbrüstigen Tänzerinnen ertrinken in ihnen.
Sergei Vikharyev bemüht sich, die Moskauer Truppe nach Petersburger Manier tanzen zu ...
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